1968 – Als die Logik den Schaltplan verließ Geburt der SPS-Programmierung

1968 erfand Dick Morley die erste SPS (PLC) – ein Wendepunkt in der Automatisierung.

  • Ziel: Ablösung der Relais-Schaltpläne durch programmierbare Logik.

  • Erste Sprache: Kontaktplan (KOP) – Abbild der Relais-Logik.

  • Später: AWL, FUP, SFC, ST → 1993 standardisiert in IEC 61131-3.

Doch:

  • Hersteller-Dialekte blieben,

  • Programme sind schwer lesbar,

  • Dokumentation ist uneinheitlich.

👉 Die Klarheit der Schaltplan-Logik wurde zugunsten von Flexibilität aufgegeben.

Vor 1968 war Logik sichtbar im Schaltplan – jeder Elektriker konnte Abläufe nachvollziehen. Nach der SPS-Einführung wanderte die Logik in Softwareprogramme.

  • Flexibilität und Änderbarkeit stiegen.

  • Doch die Dokumentation verlor an Klarheit.

  • Heute heißt Dokumentation oft: „Ruf den Programmierer, der es geschrieben hat.“

👉 1968 markiert den Bruch: Logik wurde entkoppelt von der Standardsprache der Elektrotechnik.

chevron-rightHistorische Entwicklung der Maschinenlogikhashtag

1. Vor der SPS (bis ca. 1968) – Logik im Schaltplan

  • Maschinensteuerung über Relais- und Schütztechnik

  • Jede logische Funktion (UND, ODER, NICHT, Verriegelung, Selbsthaltung) → physisch verdrahtet

  • Dokumentation im Schaltplan → eindeutige Transparenz:

    • Kontakte = Bedingungen

    • Spulen = Ergebnisse

    • Signalfluss → für jeden Elektriker sofort lesbar

  • Vorteil: Logik war klar, nachvollziehbar, dokumentiert

  • Sprache: Schaltplan = Elektrik + Logik


2. Die Erfindung der SPS (ab 1968) – Flexibilität statt Klarheit

  • Erste Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS/PLC) von Dick Morley (Modicon 084)

  • Ziel: Ablösung der Relaisverdrahtung durch flexible Software

  • Erste Sprache: Kontaktplan (KOP) → direkte Nachbildung des Relais-Schaltplans

  • Vorteile:

    • Änderungen ohne Umverdrahtung

    • Platz- und Materialeinsparung

  • Nachteile:

    • Logik verschwand aus dem Schaltplan

    • Dokumentation nur noch im Programm – herstellerabhängig


3. Standardisierung & Sprachenvielfalt (1980er–1990er)

  • Einführung neuer Programmiersprachen:

    • AWL (Anweisungsliste) → textbasiert

    • FUP (Funktionsplan) → grafisch

    • SFC (Ablaufketten, GRAFCET) → schrittweise Logik

    • ST (Strukturierter Text) → Hochsprache

  • IEC 61131-3 (1993): weltweite Standardisierung dieser fünf Sprachen

  • Problem: Dialekte der Hersteller, fehlende formale Eindeutigkeit


4. Heute (2000er–2020er) – Komplexität ohne klare Sprache

  • SPS-Programme sind mächtig, aber:

    • schwer lesbar für Außenstehende

    • Dokumentation oft lückenhaft oder nicht normiert

    • Logik ist verteilt auf KOP, FUP, ST, SFC, Datenbausteine etc.

  • Vergessen: Dass Logik früher eindeutig dokumentiert war – im Schaltplan selbst

  • Folge: Klarheit und Kompetenz gingen zugunsten von Flexibilität verloren


5. Zukunft – Formale Sprache für Maschinenverhalten

  • Notwendig ist eine neue, formale, deterministische Sprache für Maschinenlogik, vergleichbar mit:

    • Technische Zeichnung (Mechanik)

    • Schaltplan (Elektrik)

  • Ziel: Eindeutige, weltweit verständliche, normierte Beschreibung von Maschinenverhalten

  • → Ansatz: modellbasierte Methoden (z. B. Selmo)


Überblick: Drei Sprachen der Technik

Disziplin
Früher
Heute
Status

Mechanik

Technische Zeichnung

Technische Zeichnung

klar, normiert

Elektrik

Schaltplan (inkl. Logik)

Schaltplan

klar, normiert

Logik

Schaltplan-Logik (Relais)

SPS-Programmierung

flexibel, aber nicht eindeutig


👉 Damit wird klar:

  • Früher war Logik ein Teil der klaren Elektrosprache (Schaltplan).

  • Heute ist sie flexibel, aber nicht eindeutig dokumentiert.

  • Morgen braucht es wieder eine formale, standardisierte Logiksprache – als dritte Säule neben Zeichnung und Schaltplan.

chevron-rightHistorischer Verlauf SPShashtag

  • 1968: Dick Morley entwickelt erste SPS (Modicon 084)

  • 1970er: Kontaktplan (KOP) – grafisch wie Relaislogik

  • 1980er: AWL, FUP, SFC → mehr Ausdruckskraft

  • 1993: IEC 61131-3 definiert fünf Sprachen (KOP, FUP, AWL, ST, SFC)

  • Heute: Sprachen standardisiert, aber Dialekte & Intransparenz bestehen

chevron-rightHistorischer Verlauf Logikhashtag
  • Vor 1968: Relais-Schaltungen → Logik im Schaltplan dokumentiert

  • 1968: SPS ersetzt Relais → Flexibilität steigt, Klarheit sinkt

  • 1990er: Standardisierung IEC 61131-3, dennoch keine echte „Sprache“

  • Heute: Abhängigkeit von Programmierern, fehlende formale Nachvollziehbarkeit

chevron-rightDie Logik vor der SPShashtag

1. Logik in der Relaistechnik

  • Bevor es die SPS gab, wurden Maschinen mit Relais- und Schützschaltungen gesteuert.

  • Jede logische Verknüpfung (UND, ODER, NICHT, Selbsthaltung, Verriegelung) war physisch verdrahtet.

  • Die Logik war direkt im Schaltplan dokumentiert:

    • Relaiskontakte = logische Bedingungen

    • Spulen = logische Ausgänge

    • Verknüpfung im Plan → unmittelbare logische Funktion

  • Vorteil: 100 % Transparenz. Jeder Fachmann konnte anhand des Schaltplans sofort erkennen, wie die Maschine logisch funktioniert.

2. Logik als Teil des Schaltplans

  • Bis in die 1960er-Jahre war der Schaltplan das Dokument für Mechanik und Steuerungslogik.

  • Man konnte die Funktionsweise einer Maschine allein durch den Stromlaufplan nachvollziehen.

  • Damit war Logik schon immer eine beschreibbare und dokumentierte Sprache – ähnlich eindeutig wie die technische Zeichnung für die Mechanik.

3. Der Bruch mit der SPS

  • Mit der Einführung der SPS (ab 1968) wurde die Logik aus dem Schaltplan herausgelöst und in Software verlagert.

  • Vorteil: hohe Flexibilität (Änderungen ohne Umverdrahtung, modulare Programme).

  • Nachteil: Verlust der Dokumentationstransparenz.

    • Die Logik ist nicht mehr im Schaltplan sichtbar.

    • Unterschiedliche Programmiersprachen (KOP, FUP, ST) und Herstellerdialekte erschweren die Lesbarkeit.

    • Die klare Kompetenz der Elektrotechniker, die früher alles im Plan nachvollziehen konnten, wurde verdrängt.

4. Folgen bis heute

  • Viele sehen heute Logik nur noch als Teil eines SPS-Programms – vergessen ist, dass Logik schon immer eine klare, dokumentierte Beschreibung hatte.

  • Damit ist der Bruch zwischen Elektrik und Software entstanden.

  • Wo früher Zeichnung (Mechanik) + Schaltplan (Elektrik + Logik) das Ganze abbildeten, fehlt heute die eindeutige, formale Sprache für die Steuerungslogik.


Der Bogen: drei Sprachen der Technik

Bereich
Sprache (früher)
Sprache (heute)
Problem

Mechanik

Technische Zeichnung

Technische Zeichnung

stabil, klar, normiert

Elektrik

Schaltplan (inkl. Logik)

Schaltplan

stabil, klar, normiert

Logik

Schaltplan-Logik (Relais, Kontakte)

SPS-Programmierung

Flexibel, aber nicht mehr eindeutig dokumentiert


Fazit

Die Logik war schon immer Teil der Sprache der Technik – sichtbar im Schaltplan, eindeutig und dokumentiert. Mit der SPS wurde sie zwar flexibler, aber gleichzeitig unsichtbar und uneinheitlich. Heute ist weitgehend vergessen, dass Logik historisch genauso klar beschrieben war wie Geometrie und Elektrik.

👉 Die Aufgabe der Zukunft ist es, diese formale Klarheit zurückzugeben – mit einer universellen, modellbasierten Sprache für das Verhalten von Maschinen, vergleichbar zur Zeichnung in der Mechanik und dem Schaltplan in der Elektrik.

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