6 Betrieb der Maschine (User-Sicht)

„Dieses Kapitel beschreibt wie das zuvor definierte Modell wirkt – nicht was modelliert wird.“

6. Betrieb der Maschine

Dieses Kapitel beschreibt, wie eine modellierte Maschine betrieben wird. Es geht nicht um Bedienoberflächen oder konkrete Tasten, sondern um das grundsätzliche Zusammenspiel von Modell, Bediener und System.

Der Betrieb ist in Selmo keine zusätzliche Logikschicht, sondern eine Perspektive auf dasselbe Modell.


6.1 Grundprinzip des Betriebs

Ein zentrales Prinzip in Selmo lautet:

Der Betrieb ändert nicht die Logik. Er ändert nur, wer Einfluss auf das Modell nimmt.

Das bedeutet:

  • Sequences bleiben unverändert

  • Zustände bleiben gültig

  • Bit-Control bleibt aktiv

  • Überwachung bleibt wirksam

  • CMZ wirkt unabhängig vom Betriebsmodus

Es gibt:

  • keine zweite Ablaufdefinition

  • keinen Bypass

  • keinen Sondercode für den Betrieb


Gemeinsamer Zustandsraum

Unabhängig vom Betriebsmodus gilt:

  • jede Sequence befindet sich immer in genau einem Zustand

  • dieser Zustand definiert Erwartungen und Überwachung

  • Abweichungen sind eindeutig bewertbar

Hand- und Automatikbetrieb arbeiten im selben Zustandsraum.

Handbetrieb ist keine Parallelwelt, sondern gezielte Interaktion innerhalb eines gültigen Zustands.


Rollen im Betrieb

Der Betrieb verteilt Verantwortung klar:

  • System

    • bewertet den Modellzustand

    • überwacht Bedingungen

    • reagiert deterministisch

  • Bediener

    • beeinflusst Zonen gezielt

    • stellt Zustände her

    • trifft keine Logikentscheidungen

  • Hardware-Zone

    • stellt Betriebsarten bereit

    • verwaltet Automatikfreigaben

    • koordiniert Starts und Stops


Automatik und Handbetrieb – Einordnung

Selmo unterscheidet zwei Betriebsarten:

  • Automatikbetrieb

    • das System treibt den Ablauf

    • Zustandsübergänge erfolgen automatisch

    • Überwachung reagiert sofort auf Abweichungen

  • Handbetrieb

    • der Bediener beeinflusst Zonen manuell

    • Ziel ist die Erfüllung von Zustandsbedingungen

    • Überwachung bleibt vollständig aktiv

Beide Betriebsarten:

  • nutzen dasselbe Modell

  • unterliegen denselben Regeln

  • erzeugen dieselbe Diagnose


Sicherheit im Betrieb

Sicherheitsrelevante Mechanismen wirken immer, unabhängig vom Betrieb:

  • Interlocks (i) schützen den Ablauf

  • CMZ schützt die Systemintegrität

  • MXIC schützt vor unzulässigen Handaktionen

Es gibt:

  • keinen „Service-Modus“ ohne Überwachung

  • keinen Handbetrieb ohne Sicherheit

  • keine Ausnahme von der Modelllogik

Betrieb ist kein Sicherheitskonzept – Sicherheit ist im Modell verankert.


Aufbau dieses Kapitels

Kapitel 6 gliedert sich in folgende Teile:

6.1 Grundprinzip Betrieb

→ gemeinsamer Zustandsraum → Betrieb ≠ Logik

6.2 Automatikbetrieb

→ systemgetriebener Ablauf → Fehlerreaktionen → Diagnoseverhalten

6.3 Handbetrieb

→ zustandsweises Arbeiten → visuelle Rückmeldung → sichere Positionierung

6.4 MXIC – Manual Cross Interlock

→ Schutzlogik für manuelle Aktionen → Diagnose statt Bewegung


Übergang zu den Details

Die folgenden Abschnitte beschreiben:

  • wie Automatik konkret abläuft

  • wie Handbetrieb sicher funktioniert

  • wie manuelle Aktionen begrenzt werden

Der Betrieb macht das Modell nutzbar – ohne es zu verändern.

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