Automatikbetrieb
6.2 Automatikbetrieb
Der Automatikbetrieb ist der Betriebsmodus, in dem das System den modellierten Ablauf selbstständig ausführt.
Dabei gilt ein zentrales Prinzip:
Im Automatikbetrieb treibt das System den Ablauf – nicht der Bediener.
Der Automatikbetrieb ist keine eigene Logik, sondern eine systemgetriebene Ausführung desselben Modells.
Voraussetzungen für den Automatikbetrieb
Damit eine Sequence im Automatikbetrieb laufen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
die Hardware-Zone ist auf Automatikbetrieb geschaltet
eine gültige Automatikfreigabe liegt vor
keine Interlock- (
i) Abweichung ist aktivkeine CMZ-Abweichung ist aktiv
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, darf der Ablauf automatisch fortgesetzt werden.
Ablauf im Automatikbetrieb
Im Automatikbetrieb gilt:
die Sequence befindet sich in genau einem Zustand
dieser Zustand definiert erwartetes Verhalten (System-Layer)
das System bewertet permanent:
ob Erwartungen erfüllt sind
ob zwingende Bedingungen eingehalten werden
Der Ablauf erfolgt deterministisch:
Ein Zustand wird aktiv
S-Zonen definieren erwartetes VerhaltenDas System wartet auf Erfüllung
Der Zustand gilt als erfüllt
Der Übergang zum nächsten Zustand erfolgt automatisch
Der Ablauf reagiert nicht auf Ereignisse, sondern auf den aktuellen Modellzustand.
Verhalten bei Abweichungen
Interlock-Abweichung (i)
i)Wird eine als i definierte Bedingung verletzt:
die Automatikfreigabe wird sofort entzogen
die betroffene Sequence stoppt
der aktuelle Zustand bleibt erhalten
eine eindeutige Diagnose wird erzeugt
Es gibt:
kein Weiterlaufen
keinen Übergang
keine Interpretation
CMZ-Abweichung
Wird eine CMZ verletzt:
die Reaktion erfolgt hierarchisch:
Sequence-Ebene
Hardware-Zonen-Ebene
Plant-Ebene
alle betroffenen Sequences werden gestoppt
keine Bewegung ist mehr möglich
CMZ-Abweichungen wirken:
zustandsunabhängig
betriebsartenunabhängig
Diagnose im Automatikbetrieb
Diagnose entsteht im Automatikbetrieb automatisch aus dem Modell.
Eine Diagnose ist eindeutig zuordenbar zu:
einer Sequence
einem Zustand
einer Zone
einer Erwartung oder Bedingung
Es gibt:
keine Sammelmeldungen
keine manuell programmierten Fehlertexte
keine interpretationsabhängigen Meldungen
Die Diagnose erklärt, warum der Ablauf nicht weitergeht.
Abgrenzung zum Handbetrieb
Zur Klarstellung:
Automatikbetrieb
System treibt den Ablauf
Übergänge erfolgen automatisch
Bediener greift nicht in den Ablauf ein
Handbetrieb
Bediener beeinflusst Zonen
Zustände werden gezielt erfüllt
Ablauf wird nicht automatisch fortgesetzt
Beide Betriebsarten:
nutzen dasselbe Modell
unterliegen derselben Überwachung
erzeugen dieselbe Diagnose
Typische Fehlannahmen zum Automatikbetrieb
Häufige Missverständnisse sind:
❌ „Automatik ist ein schnelleres Handfahren“
❌ „Automatik überspringt Zustände“
❌ „Automatik ignoriert Abweichungen kurzzeitig“
❌ „Automatik ist toleranter als Handbetrieb“
Alle diese Annahmen sind falsch.
Automatik ist der strengste Betriebsmodus, weil er vollständig modellgetrieben ist.
Zusammenfassung
Der Automatikbetrieb:
führt den modellierten Ablauf selbstständig aus
reagiert deterministisch auf Abweichungen
erzeugt automatische, eindeutige Diagnose
kennt keine Sonderfälle oder Abkürzungen
Automatik bedeutet: Das Modell hat die Kontrolle.
Zuletzt aktualisiert
War das hilfreich?

