7 Sicherheit & Überwachung

„Dieses Kapitel beschreibt wie das zuvor definierte Modell wirkt – nicht was modelliert wird.“

7. Sicherheitsarchitektur

Dieses Kapitel beschreibt, wie Sicherheit in Selmo gedacht, modelliert und wirksam wird.

Sicherheit ist in Selmo:

  • kein Zusatz

  • kein Sonderfall

  • keine Ausnahme von der Logik

Sicherheit ist integraler Bestandteil des Modells.


7.1 Sicherheit als Eigenschaft des Modells

In klassischen Steuerungen wird Sicherheit häufig:

  • außerhalb des Ablaufs betrachtet

  • in separaten Programmen oder Ebenen umgesetzt

  • als Reaktion auf Risiken ergänzt

Selmo verfolgt einen anderen Ansatz:

Sicherheit entsteht dort, wo Verhalten explizit beschrieben wird.

Das bedeutet:

  • Sicherheitsrelevanz wird modelliert

  • Überwachung ist eindeutig definiert

  • Reaktionen sind deterministisch festgelegt

Sicherheit ist damit kein reaktives Element, sondern eine konsequente Folge klarer Modelle.


7.2 Trennung von Sicherheitsarten

Selmo unterscheidet bewusst verschiedene Ebenen von Sicherheit:

  • Ablaufsicherheit → Schutz vor unzulässigen Zustandskombinationen → realisiert über Interlock (i)

  • Systemintegrität → Schutz von Mensch, Maschine und Anlage → realisiert über CMZ

  • Bedienersicherheit im Handbetrieb → Schutz vor falschen manuellen Aktionen → realisiert über MXIC

Diese Mechanismen:

  • ergänzen sich

  • sind klar abgegrenzt

  • werden nicht vermischt

Jede Sicherheitsfunktion hat eine eindeutige Aufgabe.


7.3 Sicherheit wirkt immer

Ein zentrales Prinzip in Selmo lautet:

Sicherheit ist unabhängig vom Betriebsmodus.

Das bedeutet:

  • Sicherheit wirkt im Automatikbetrieb

  • Sicherheit wirkt im Handbetrieb

  • Sicherheit wirkt während Inbetriebnahme

  • Sicherheit kennt keinen „Service-Modus“

Überwachung ist:

  • permanent aktiv

  • zustandsabhängig oder zustandsunabhängig

  • hierarchisch wirksam


7.4 Hierarchische Sicherheitswirkung

Sicherheitsmechanismen wirken in einer klaren Hierarchie:

Plant └─ Hardware-Zone └─ Sequence

Eine Abweichung:

  • auf höherer Ebene

  • überstimmt alle darunterliegenden Ebenen

Beispiele:

  • Plant-CMZ stoppt die gesamte Anlage

  • HW-Zonen-CMZ stoppt alle enthaltenen Sequences

  • Interlock stoppt eine einzelne Sequence

Je höher die Ebene, desto größer die Wirkung.


7.5 Abgrenzung zur Hardware-Sicherheit

Selmo ersetzt keine:

  • Not-Halt-Kette

  • sichere Abschaltung

  • Sicherheits-SPS

  • mechanische Schutzmaßnahmen

Selmo ergänzt diese durch:

  • formale Beschreibung

  • deterministische Überwachung

  • nachvollziehbare Reaktionen

Hardware-Sicherheit schützt physikalisch. Selmo-Sicherheit schützt logisch und systemisch.


7.6 Aufbau dieses Kapitels

Kapitel 7 gliedert sich in folgende Teile:

7.1 Interlock (i)

→ zustandsabhängige Ablaufsicherheit

7.2 CMZ – Constantly Monitoring Zone

→ zustandsunabhängige Systemintegrität → Sequence / Hardware-Zone / Plant

7.3 Weitere Überwachungen

→ Pair-Check → Bear-Check → Plausibilitätsprüfungen


Übergang zu den Details

Die folgenden Abschnitte beschreiben:

  • wie einzelne Sicherheitsmechanismen funktionieren

  • wann sie eingesetzt werden

  • wie sie sich gegenseitig ergänzen

Sicherheit ist in Selmo kein Sonderkapitel – sie ist ein strukturelles Prinzip.

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