CMZ – Constantly Monitoring Zone

Ziel: Kritische Signale schützen Inhalt:

  • Sequenz / HW-Zone / Plant

  • Abschaltverhalten

  • Keine manuelle Bewegung bei Fehler

1. Warum braucht es CMZ?

Interlocks (i) überwachen Bedingungen zustandsabhängig. Viele sicherheits- und integritätsrelevante Signale sind jedoch immer relevant – unabhängig davon, in welchem Zustand sich eine Sequence befindet.

Typische Beispiele:

  • Türen, Schutzeinrichtungen

  • Energie- und Versorgungszustände

  • Grundlegende Prozessfreigaben

  • physikalisch unmögliche Zustände

Werden solche Signale nur zustandsabhängig geprüft, entstehen:

  • unklare Reaktionen

  • unvollständige Überwachung

  • schwer erklärbare Fehlerbilder

CMZ existiert, um permanent gültige Bedingungen explizit und deterministisch zu überwachen.


2. Was ist eine CMZ?

Eine CMZ (Constantly Monitoring Zone) ist eine Zone, deren Zustand permanent überwacht wird – unabhängig vom aktuellen Zustand einer Sequence.

Eine CMZ ist:

  • zustandsunabhängig

  • kontinuierlich aktiv

  • deterministisch

Eine CMZ ist nicht:

  • ein Interlock (i)

  • ein Sicherheitsrelais

  • ein Not-Halt

  • ein Hardware-Sicherheitsbaustein

CMZ ist eine logische Überwachungsfunktion im Modell.


3. Grundprinzip der CMZ

Das Grundprinzip ist strikt:

  • Eine CMZ kennt kein „gerade egal“

  • Sie kennt nur gültig oder ungültig

  • Ihre Bewertung ist immer aktiv

Daraus folgt:

Wenn eine CMZ verletzt ist, darf sich das System nicht bewegen.

CMZ überwacht Systemintegrität, nicht Ablauflogik.


4. CMZ-Ebenen (Hierarchie)

CMZs existieren auf drei Ebenen:

4.1 CMZ auf Sequence-Ebene

  • betrifft nur eine einzelne Sequence

  • typische Anwendungsfälle:

    • prozesskritische Freigaben

    • dauerhafte Bedingungen für einen Ablauf

Fehlerwirkung:

  • Automatikfreigabe dieser Sequence wird entzogen

  • andere Sequences bleiben unbeeinflusst


4.2 CMZ auf Hardware-Zonen-Ebene

  • betrifft alle Sequences innerhalb der Hardware-Zone

  • typische Anwendungsfälle:

    • Türkontakte eines Moduls

    • Energieversorgung eines Aggregats

Fehlerwirkung:

  • Automatikfreigabe der gesamten Hardware-Zone wird entzogen

  • alle enthaltenen Sequences stoppen


4.3 CMZ auf Plant-Ebene (Total CMZ)

  • betrifft die gesamte Anlage

  • typische Anwendungsfälle:

    • Hauptenergie

    • übergeordnete Sicherheitsbedingungen

Fehlerwirkung:

  • vollständiger Anlagenstopp

  • alle Hardware-Zonen und Sequences sind gesperrt

Höhere CMZ-Ebenen überstimmen immer niedrigere.


5. Verhalten bei CMZ-Abweichung

Bei einer CMZ-Abweichung gilt immer:

  • sofortiger Entzug der Automatikfreigabe

  • Stop aller betroffenen Sequences

  • keine manuelle Bewegung möglich

  • eindeutige Diagnose

Es gibt:

  • keine Übergangszustände

  • kein „Weiterfahren bis zum Ende“

  • keine Sonderbehandlung im Handbetrieb

CMZ-Fehler bedeutet: Das System darf sich nicht bewegen.


6. Unterschied CMZ vs. Interlock (i)

Merkmal

Interlock (i)

CMZ

Zustandsabhängig

ja

nein

Permanent aktiv

nein

ja

Wirkung im Handbetrieb

eingeschränkt

voll

Zweck

Ablauf schützen

System schützen

Merksatz:

i schützt den Ablauf, CMZ schützt Integrität, Mensch und Maschine.


7. CMZ und Handbetrieb

CMZ wirkt uneingeschränkt auch im Handbetrieb.

Das bedeutet:

  • keine manuelle Bewegung bei CMZ-Fehler

  • keine Umgehung durch Betriebsartenwechsel

  • keine „Service-Ausnahme“

Handbetrieb ist kein Sicherheitsmodus.


8. CMZ und Diagnose

Eine CMZ-Abweichung erzeugt:

  • eine eindeutige Diagnose

  • mit klarer Zuordnung:

    • Sequence

    • Hardware-Zone

    • oder Plant

Eigenschaften der Diagnose:

  • keine Sammelmeldungen

  • keine Mehrdeutigkeit

  • direkte Rückführbarkeit auf die Ursache

Die Diagnose entsteht automatisch aus dem Modell.


9. CMZ im Sicherheitskonzept der Anlage

CMZ:

  • ersetzt keine Hardware-Sicherheitsfunktionen

  • ergänzt funktionale Sicherheit

  • erhöht Nachvollziehbarkeit und Argumentierbarkeit

CMZ ist:

  • Teil der logischen Sicherheitsarchitektur

  • Grundlage für formale Nachweise

  • entscheidend für auditierbare Systeme

CMZ ergänzt Hardware-Sicherheit durch formale Modellüberwachung.


10. Typische Fehler im Umgang mit CMZ

Häufige Fehler sind:

  • CMZ als Ersatz für Interlocks verwenden

  • zu viele CMZs definieren

  • falsche CMZ-Ebene wählen

  • sicherheitsrelevante Signale nicht als CMZ modellieren

  • CMZ als Komfortfunktion missverstehen

Faustregel:

Alles, was immer stimmen muss, gehört in eine CMZ.


11. Warum CMZ entscheidend für Selmo ist

CMZ ermöglicht:

  • vollständige, permanente Überwachung

  • klare hierarchische Reaktionen

  • deterministisches Systemverhalten

  • normfähige Argumentation

  • verantwortbare Automatisierung

Oder anders gesagt:

CMZ macht aus Ablaufsteuerung ein verantwortbares System.


12. Zusammenfassung

Eine CMZ ist:

  • eine permanent überwachte Zone

  • unabhängig vom Ablauf

  • strikt hierarchisch wirksam

  • Grundlage für sichere und erklärbare Maschinen

Ohne CMZ gibt es keine vollständige Systemintegrität.

Zuletzt aktualisiert

War das hilfreich?