Selmo Prozessmodellierung
Die Prozessmodellierung ist der zentrale Umsetzungsschritt zwischen dem PTF (Process – Technology – Function) und der technischen Realisierung in Code, HMI und Dokumentation.
Sie bildet das formale, deterministische Maschinenverhalten ab – sichtbar, prüfbar und nachvollziehbar.
Ziel dieses Kapitels ist es, den gesamten Prozess der Modellierung, die zugehörigen Rollen, Inputs, Abläufe, Outputs und Verantwortlichkeiten in einer einheitlichen, SIPOC-basierten Struktur darzustellen.
Ziel: Klare Rollentrennung und Verantwortung bei Definition, Umsetzung, Prüfung und Betrieb.
Hauptaussagen:
Selmo ist eine Methode, keine Entscheidungsinstanz.
Prozessinhalt und physische Ausführung liegen bei Kunde, Mechanik, Elektro.
Selmo sorgt für formale, prüfbare Umsetzung der freigegebenen Anforderungen.
Abweichungen zwischen Modell und Realität sind sofort sichtbar.
Änderungen erfolgen nicht im Code, sondern im Modell oder PTF.
Nicht-Selmo-konforme Bereiche werden dokumentiert und als Risiko bewertet.
Inverkehrbringer trägt Gesamtverantwortung für Maschine und Prozess.
Stakeholder Nutzenmatrix
Ziel: Übersicht, wer welchen Nutzen aus der Modellierung zieht.
Kernpunkte:
Prozessingenieur: sieht, dass der Prozess umgesetzt ist.
Automation: arbeitet mit formaler, strukturierter Sprache.
CE / Qualität: hat Auditfähigkeit.
Service: profitiert von klarer Diagnose.
Kunde: erhält ein überprüfbares, vertrauenswürdiges Ergebnis.
Management: gewinnt Planbarkeit und Nachvollziehbarkeit.
Beispielhafte Matrix:
Stakeholder-Nutzenmatrix – Prozessmodellierung nach Selmo
1. Übersichtsmatrix
Stakeholder / Rolle
Relevante Outputs aus der Modellierung
Projektphase
Nutzen / Mehrwert
Projektleitung / PTF-Lead
PTF-Modelldokumentation, Review-Report, Freigabeprotokoll
Engineering / Review
Nachweis der erfolgreichen, PTF-konformen Umsetzung; Transparenz über Qualität und Status
Prozessverantwortlicher (IE)
Logik- und System-Dokumentation, Parametertabellen
Engineering / Validierung
Sicherstellung, dass der reale Prozess technisch korrekt, deterministisch und nachvollziehbar abgebildet wurde
Mechanik / Konstruktion
Modellstruktur (Plant → HWZ → SEQ → Zonen), Technologiereport
Engineering / Abstimmung
Kontrolle, ob die mechanische Struktur im Prozessmodell korrekt verknüpft ist; leichtere Fehleranalyse
Elektro / Steuerung (E-Plan)
I/O-Zuordnung, Bit-Control, CMZ/MXIC-Dokumentation
Engineering / IBN
Eindeutige Signal- und Adressverknüpfung, Synchronisation von Schaltplan und Logik
Software / Automation (Selmo-Modellierer)
Selmo-Modelldatei (.XML/.SEL), Funktionsbibliothek, PLC-Code
Modellierung / Code-Generierung
Effiziente, standardisierte Entwicklung; fehlerfreier, deterministischer Code
Qualität / Sicherheit / CE
Safety-Report, CMZ/MXIC-Matrix, Risikobewertung
Review / Audit / CE-Nachweis
Formale Prüfbarkeit, Auditfähigkeit, CE-Konformität; kein sicherheitsrelevantes Risiko ohne Nachweis
IT / OT / MES / ERP
Schnittstellenbeschreibung, Kommunikationsmodell
Integration / Test / SoftFAT
Einheitliche, dokumentierte Daten- und Kommunikationspunkte; sichere Anbindung an übergeordnete Systeme
Betrieb / Instandhaltung / Service
HMI-Projekt, Diagnoselisten, Parameterdaten
Inbetriebnahme / Betrieb
Transparente Bedienung, eindeutige Fehlerdiagnose, geringere Stillstandszeiten
Management / Controlling
Projektberichte, Funktionsbibliothek, Risikoberichte
Projektcontrolling / Reporting
Verlässliche Planungs- und Kostensicherheit, standardisierte Umsetzung, Reduktion von Engineering-Risiken
Kunde / Betreiber / Endanwender
Vollständige Prozessdokumentation, Safety-Nachweis, HMI
Abnahme / Betrieb / Audit
Keine Blackbox: formale, nachvollziehbare Prozessbeschreibung; Vertrauen, Sicherheit und Transparenz
2. Nutzen nach Perspektive (Cluster)
Perspektive
Hauptnutzen durch Selmo-Prozessmodell
Technisch / Engineering
Vollständige Transparenz über Logik, Zustände und Signalverhalten; reproduzierbare Umsetzung ohne Interpretationslücken
Qualität / Sicherheit
Formale Prüfbarkeit, dokumentierte Sicherheitslogik, CE-Nachweis direkt aus dem Modell
Organisatorisch / Management
Standardisierte Abläufe, weniger Nacharbeit, klar definierte Verantwortlichkeiten
Betrieb / Service
Übersichtliche Diagnose, strukturiertes HMI, einfache Schulung und Wartung
Kunde / Betreiber
Nachvollziehbarkeit und Vertrauen – der Prozess ist sichtbar, überprüfbar und konform zur Norm
3. Phasen-zuordnung der Stakeholder
Legende: ■ = Phase mit direkter Beteiligung oder Nutzen für die jeweilige Rolle.
4. Gesamtzusammenfassung
Wer profitiert am meisten vom Prozessmodell:
Prozessverantwortliche & Kunden: bekommen keinen Blackbox-Code, sondern ein formales, dokumentiertes Maschinenverhalten, das exakt ihren Anforderungen entspricht und jederzeit überprüfbar ist.
Software- und Automationsingenieure: profitieren von klaren Strukturen, automatisierter Codeerzeugung und reduzierter Fehlerrate.
Sicherheits- und Qualitätsverantwortliche: können jeden Zustand und jede Interlock-Bedingung nachvollziehen und gegenüber Audits beweisen.
Betrieb & Service: erhalten eine logische, standardisierte Bedienung und Diagnose, die Wartung, Schulung und Fehleranalyse massiv vereinfacht.
Management und Kunde: gewinnen Transparenz, Sicherheit und Vertrauen – die Maschine ist kein unbekannter Codeblock, sondern ein digital definierter, normkonformer Prozess.
5. Fazit
Der Customer des Selmo-Prozessmodells bekommt keine Software, sondern Wissen.
Wissen über das Verhalten, die Logik und die Sicherheit der Maschine – sichtbar, prüfbar und dokumentiert.
Jeder Stakeholder erhält genau die Information, die er braucht, in der Sprache, die er versteht – technisch, formal, betriebsnah.
Fazit
Die Prozessmodellierung ist das Bindeglied zwischen Anforderung und Umsetzung.
Sie liefert transparente, nachvollziehbare Maschinenlogik statt unprüfbaren Code.
Sie schafft die gleiche Struktur und Nachvollziehbarkeit wie Mechanik und Elektro.
Änderungen erfolgen immer in der formalen Beschreibung, nie im laufenden Code.
Nicht-Selmo-konforme Bereiche sind bewusst dokumentierte Risiken.
Damit ist Selmo die formale Sprache der Automatisierung – ein Werkzeug für Qualität, Verantwortung und Vertrauen.
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