PTF – Prozess · Technologie · Funktion

PTF ist die methodische Grundlage von Selmo. Sie beschreibt wie über eine Maschine nachgedacht werden muss, bevor sie modelliert wird.

PTF ist:

  • keine Modellierung

  • keine Technikbeschreibung

  • kein Tool

  • kein Diagramm

Sondern:

Ein strukturierter Denk- und Analyseprozess, der der Modellierung zwingend vorausgeht.


Warum PTF notwendig ist

Ohne vorgelagerte Analyse wird häufig:

  • zu früh modelliert

  • technisch statt funktional gedacht

  • Komplexität ins Modell verschoben

  • Sicherheit nachträglich kompensiert

Das führt zu:

  • überladenen Sequences

  • impliziten Annahmen

  • schwer erklärbaren Zuständen

  • unnötigen Sonderfällen

PTF existiert, um diese Fehler systematisch zu vermeiden.


Überblick: Die drei Ebenen von PTF

PTF trennt bewusst drei Betrachtungsebenen:

  • P – Prozess Was soll fachlich passieren?

  • T – Technologie Welche physikalischen und technischen Prinzipien kommen zum Einsatz?

  • F – Funktion Welche überprüfbaren Anforderungen ergeben sich daraus?

Diese Ebenen sind:

  • logisch voneinander getrennt

  • nicht austauschbar

  • zwingend in dieser Reihenfolge zu betrachten


P – Prozess

Was bedeutet „Prozess“?

Der Prozess beschreibt den fachlichen Ablauf:

  • aus Sicht von Produkt, Material oder Aufgabe

  • unabhängig von Automatisierung

  • unabhängig von eingesetzter Technik

Beispiele:

  • Werkstück einlegen

  • Teil fixieren

  • Bearbeitung durchführen

  • Ergebnis prüfen

  • Teil freigeben

Der Prozess beantwortet nicht:

  • wie etwas technisch umgesetzt wird

  • welche Sensoren verwendet werden

  • welche Aktoren bewegt werden

Der Prozess beschreibt was passiert – nicht wie es passiert.


Typische Fehler ohne klare Prozesssicht

  • Technik bestimmt den Ablauf

  • SPS-Strukturen definieren den Prozess

  • Prozesslogik ist nicht mehr erklärbar

  • Sonderfälle entstehen unkontrolliert


T – Technologie

Was bedeutet „Technologie“?

Technologie beschreibt:

  • physikalische Wirkprinzipien

  • eingesetzte Maschinentechnik

  • relevante Energieformen

  • mechanische, elektrische, pneumatische oder hydraulische Zusammenhänge

Beispiele:

  • Spannen über Pneumatik

  • Positionieren über Servoachsen

  • Greifen über Vakuum

  • Messen über Sensorik

Technologie beantwortet:

  • was physikalisch möglich ist

  • was zwingend überwacht werden muss

  • wo Risiken und Grenzen liegen


Warum Technologie vor Funktion verstanden werden muss

Ohne Technologieverständnis:

  • werden falsche Funktionen formuliert

  • entstehen unnötige Sicherheitsannahmen

  • wird Überwachung falsch platziert

Funktionen lassen sich nur aus Technologie ableiten – nicht umgekehrt.


F – Funktion

Was bedeutet „Funktion“?

Funktionen sind formalisierte Anforderungen an das Verhalten der Maschine.

Sie werden abgeleitet aus:

  • dem fachlichen Prozess

  • den technologischen Randbedingungen

Beispiele:

  • „Werkstück muss vor Bearbeitung gespannt sein“

  • „Achse darf nur verfahren, wenn Schutzbedingung erfüllt ist“

  • „Bearbeitung darf erst starten, wenn Position erreicht ist“

Funktionen sind:

  • keine Implementierungen

  • keine SPS-Bausteine

  • keine Zustände

Funktionen sind überprüfbare Aussagen über erwartetes Verhalten.


Ergebnis sauber formulierter Funktionen

Aus klaren Funktionen ergeben sich:

  • notwendige Zustände

  • sinnvolle Sequences

  • relevante Zonen

  • erforderliche Überwachungen

Damit wird Modellierung:

  • keine kreative Tätigkeit

  • sondern eine konsequente Ableitung


PTF und das Selmo-Modell

Die Rollen sind klar getrennt:

Ebene
Aufgabe

PTF

Denken & Analyse

Selmo-Modell

Formale Beschreibung

SPS / HMI

Implementierung

PTF entscheidet:

  • was modelliert wird

  • warum es modelliert wird

Selmo entscheidet:

  • wie dieses Verhalten formal beschrieben wird

PTF begrenzt das Modell. Selmo strukturiert es.


Typische Fehler ohne PTF

  • Modellierung startet zu früh

  • Sequences übernehmen Prozessentscheidungen

  • Zonen werden technisch statt funktional definiert

  • Sicherheitslogik kompensiert fehlende Analyse

  • Modelle werden unnötig komplex

Faustregel:

Wenn ein Modell unübersichtlich wird, fehlt fast immer PTF.


Zusammenfassung

PTF ist:

  • der methodische Einstieg in jedes Selmo-Projekt

  • Voraussetzung für erklärbare Modelle

  • Schutz vor impliziter Logik

  • Reduktion von Komplexität

PTF ist kein Ersatz für Selmo und keine Alternative zum Modell.

Erst denken. Dann modellieren. Dann automatisieren.

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