10 Normenbezug

9.1 Normenbezug

Nachvollziehbarkeit als zentrale Anforderung

Dieses Kapitel beschreibt, wie Selmo normativen Anforderungen begegnet – nicht durch das Abbilden einzelner Normenpunkte, sondern durch eine grundlegend nachvollziehbare Beschreibung von Maschinenverhalten.

Selmo ersetzt keine Norm. Selmo schafft die Voraussetzung, Normen belastbar zu erfüllen.


Normen fordern Begründung, nicht Code

Zentrale Normen im Maschinen- und Anlagenbau – etwa im Bereich Maschinensicherheit und funktionale Sicherheit – haben eine gemeinsame Stoßrichtung:

  • Risiken müssen identifiziert werden

  • Maßnahmen müssen begründet sein

  • Verhalten muss nachvollziehbar beschrieben werden

Dabei ist entscheidend:

Nicht der Code wird bewertet, sondern die Argumentation hinter dem Verhalten.

Ein funktionierendes Programm allein liefert dafür keinen ausreichenden Nachweis.


Das strukturelle Problem klassischer Nachweise

In klassischen Projekten ist der Normennachweis häufig:

  • verteilt über Dokumente

  • getrennt von der Steuerungslogik

  • schwer mit dem realen Verhalten verknüpfbar

  • stark personenabhängig

Typische Situationen:

  • Sicherheitsannahmen sind nicht explizit modelliert

  • Verhalten ergibt sich implizit aus Code

  • Änderungen unterbrechen die Argumentationskette

Das erschwert:

  • CE-Konformität

  • Auditierbarkeit

  • Haftungsargumentation


Formale Modelle als Antwort auf Normanforderungen

Selmo adressiert dieses Problem über ein formales Verhaltensmodell.

Ein formales Modell:

  • beschreibt Zustände explizit

  • definiert erlaubtes und verbotenes Verhalten

  • legt Reaktionen eindeutig fest

  • ist unabhängig von Implementierungsdetails

Damit wird nachvollziehbar:

  • warum ein Zustand existiert

  • unter welchen Bedingungen er gültig ist

  • welche Reaktion bei Abweichung erfolgt

Das Modell wird zur tragenden Argumentationsbasis.


Einordnung typischer Normanforderungen

Ohne einzelne Normen zu zitieren, lässt sich festhalten:

  • Risikobetrachtung → Zustände, Bedingungen und Überwachungen sind explizit modelliert

  • Funktionale Sicherheit → sicherheitsrelevantes Verhalten ist formal beschrieben und überprüfbar

  • Nachvollziehbarkeit → Verhalten ist nicht implizit, sondern erklärbar

  • Änderungsbeherrschung → Änderungen erfolgen am Modell und bleiben konsistent

Selmo liefert damit keine Normtexte, sondern eine strukturierte Antwort auf Normanforderungen.


Bedeutung für Audit und Bewertung

Für Audits bedeutet ein Selmo-Modell:

  • Verhalten kann gezeigt werden, nicht nur erklärt

  • Zustände und Reaktionen sind eindeutig

  • Sicherheitsannahmen sind nachvollziehbar

  • Abweichungen sind formal begründet

Auditoren müssen:

  • keine implizite Logik interpretieren

  • keinen Code „lesen“

  • keine Annahmen rekonstruieren

Das Modell spricht für sich.


Abgrenzung

Zur Klarstellung:

  • Selmo ist keine Norm

  • Selmo ersetzt keine Risikobeurteilung

  • Selmo ersetzt keine Sicherheitssteuerung

Selmo:

  • strukturiert Verhalten

  • macht Annahmen explizit

  • unterstützt normgerechte Argumentation


Zusammenfassung

Normen verlangen:

  • nachvollziehbares Verhalten

  • begründete Sicherheitsmaßnahmen

  • überprüfbare Entscheidungen

Selmo liefert:

  • ein formales Verhaltensmodell

  • explizite Zustände und Bedingungen

  • eine konsistente Argumentationsbasis

Normenkonformität beginnt nicht beim Dokument, sondern beim Modell.

Zuletzt aktualisiert

War das hilfreich?