Selmo in 10 Minuten

Dieses Onboarding gibt dir in 10 Minuten ein belastbares mentales Modell von Selmo. Nicht vollständig – aber richtig.

Wenn du danach weiterliest, weißt du:

  • was Selmo ist

  • wie es denkt

  • wo du vertiefen musst


Minute 1 – Das Grundproblem

Klassische Maschinenlogik steckt im Code. Der Code funktioniert – aber er erklärt nichts.

Fragen wie:

  • Warum steht die Maschine?

  • Was wird gerade erwartet?

  • Was darf hier passieren?

lassen sich oft nur mit Erfahrung beantworten.

Selmo existiert, um Maschinenverhalten erklärbar zu machen.


Minute 2 – Modell vor Code

Selmo beginnt nicht mit SPS-Code.

Selmo beginnt mit einem formalen Modell, das beschreibt:

  • Zustände

  • Erwartungen

  • Überwachung

  • Reaktionen

Aus diesem Modell entstehen:

  • Code

  • HMI

  • Diagnose

  • Dokumentation

Das Modell ist die Wahrheit. Code ist nur eine Umsetzung.


Minute 3 – Die zentrale Idee: Zustände

Eine Maschine befindet sich zu jedem Zeitpunkt in genau einem Zustand.

Ein Zustand beschreibt:

  • eine Situation

  • keine Aktion

  • keine Anweisung

Beispiel:

  • „Werkstück gespannt“

  • nicht: „Zylinder ausfahren“

Selmo denkt in Situationen, nicht in Befehlen.


Minute 4 – Sequence: eine Aufgabe, ein Modell

Eine Sequence ist ein deterministischer Zustandsautomat für eine funktionale Aufgabe.

Beispiele:

  • Spannen

  • Bearbeiten

  • Prüfen

  • Freigeben

Eine Sequence:

  • kennt ihren aktuellen Zustand

  • weiß, was als Nächstes erwartet wird

  • reagiert immer gleich

Eine Aufgabe → eine Sequence.


Minute 5 – Zone: Bedeutung für Technik

Signale allein bedeuten nichts.

Eine Zone:

  • gibt Signalen Bedeutung

  • verbindet Logik mit Technik

  • ist eindeutig diagnostizierbar

Beispiel:

  • nicht: I0.3

  • sondern: „Zylinder gespannt“

Zonen machen Technik erklärbar.


Minute 6 – Bit-Control: explizites Verhalten

Bit-Control legt fest, was eine Zone in einem Zustand darf oder muss.

Drei Möglichkeiten:

  • 0 → egal

  • S → Verhalten wird erwartet

  • i → Bedingung muss erfüllt sein

Das gilt:

  • in jedem Zustand

  • für jede Zone

Kein implizites Verhalten. Alles ist explizit.


Minute 7 – Betrieb: Hand und Automatik

Hand- und Automatikbetrieb sind keine zwei Logiken.

Beide arbeiten:

  • im selben Zustandsraum

  • mit derselben Überwachung

  • mit denselben Regeln

Unterschied:

  • Automatik → System treibt den Ablauf

  • Hand → Bediener beeinflusst Zonen

Der Betrieb ändert nicht die Logik, nur die Einflussquelle.


Minute 8 – CMZ: was immer stimmen muss

Manche Dinge müssen immer korrekt sein:

  • Türen

  • Energie

  • grundlegende Freigaben

Das übernimmt die CMZ (Constantly Monitoring Zone).

Eine CMZ:

  • ist immer aktiv

  • unabhängig vom Zustand

  • stoppt jede Bewegung bei Abweichung

CMZ schützt die Systemintegrität.


Minute 9 – Diagnose & HMI

Weil Verhalten modelliert ist, entsteht Diagnose automatisch.

Eine Diagnose weiß:

  • wo im Ablauf

  • welche Zone

  • welche Erwartung verletzt ist

Das HMI:

  • zeigt das Modell

  • entscheidet nichts

  • interpretiert nichts

Das HMI ist ein Fenster ins Modell.


Minute 10 – Was Selmo wirklich ist

Selmo ist:

  • kein Tool

  • kein Framework

  • kein Shortcut

Selmo ist:

  • ein formales Denkmodell

  • eine gemeinsame Sprache

  • eine Grundlage für Verantwortung

Wenn du das Modell verstehst, verstehst du die Maschine.


Wie es jetzt weitergeht

Wenn du vertiefen willst:

  • Abläufe → Sequence

  • Technik → Zone

  • Überwachung → Bit-Control

  • Betrieb → Hand- & Automatikbetrieb

  • Sicherheit → CMZ

  • Nachvollziehbarkeit → Diagnose, HMI & Dokumentation

Und wenn du unsicher bist: → Glossar

Lies Selmo nicht schnell. Lies Selmo präzise.

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