Sequence

Ziel: Kernlogik Inhalt:

  • Was ist eine Sequence?

  • Zustandsautomat

  • Verantwortungsbereich

  • Beispiel-Ablauf

1. Warum gibt es Sequences?

In klassischen SPS-Programmen sind Abläufe, Sicherheitslogik, Bedienung und Diagnose häufig miteinander vermischt. Logik entsteht implizit im Code – nicht als erklärbares Modell.

Das führt zu typischen Problemen:

  • unklare Verantwortlichkeiten

  • schwer nachvollziehbare Abläufe

  • hohe Abhängigkeit vom Programmierer

  • fehlende formale Beschreibung des Maschinenverhaltens

Die Sequence existiert, um dieses Problem zu lösen.

Sie trennt funktionale Verantwortung klar von:

  • Betrieb

  • Sicherheit

  • Implementierung


2. Was ist eine Sequence?

Eine Sequence ist ein deterministisches Verhaltensmodell für eine klar abgegrenzte funktionale Aufgabe einer Maschine.

Eine Sequence:

  • beschreibt was passiert – nicht wie es programmiert wird

  • ist ein Zustandsautomat

  • hat einen klaren Start-, Lauf- und Endzustand

  • ist in sich geschlossen und eindeutig verantwortlich

Beispiele für typische Sequences:

  • Spannen eines Werkstücks

  • Bearbeitungszyklus

  • Positionieren einer Achse

  • Prüfvorgang

  • Entspannen und Freigeben

Eine Aufgabe – eine Sequence.


3. Einordnung im Selmo-Gesamtmodell

Die Sequence ist Teil einer klaren hierarchischen Struktur:

  • Plant – gesamte Maschine / Anlage

  • Hardware-Zone – Betriebs- und Verantwortungsrahmen

  • Sequence – funktionale Ablaufverantwortung

  • Zone – Verbindung zur realen Technik

Die Sequence selbst:

  • entscheidet nicht, ob sie starten darf

  • verwaltet keine Betriebsarten

  • kennt keine UI-Logik

Sie beschreibt ausschließlich funktionales Verhalten.


4. Aufbau einer Sequence

Eine Sequence ist erst vollständig definiert, wenn alle relevanten Layer beschrieben sind:

  • Logic-Layer beschreibt den logischen Ablauf über Zustände und Übergänge

  • System-Layer (Bit-Control) definiert das erwartete Verhalten der Zonen in jedem Zustand

  • Parameter-Layer enthält zeitliche, positionsbezogene oder mengenabhängige Werte

Erst das Zusammenspiel dieser Layer macht eine Sequence eindeutig, prüfbar und deterministisch.


5. Sequence und Logic-Layer (Überblick)

Der Logic-Layer beschreibt den Ablauf einer Sequence als Zustandsmodell.

Wesentliche Prinzipien:

  • Ein Zustand beschreibt eine Situation, keine Aktion

  • Übergänge erfolgen nur, wenn Bedingungen erfüllt sind

  • Der Ablauf ist zu jedem Zeitpunkt eindeutig bestimmbar

Details zu Zustandsarten und Logikelementen sind im Kapitel Logic-Layer beschrieben.


6. Sequence und System-Layer (Bit-Control)

Die Sequence selbst definiert Zustände – das Verhalten der realen Technik wird über den System-Layer beschrieben.

Dabei gilt:

  • Jede Zone wird in jedem Zustand bewertet

  • Das erwartete oder erlaubte Verhalten wird explizit festgelegt

  • Es gibt keine impliziten Annahmen

Die vollständige Definition der Operanden und ihrer Bedeutung erfolgt im Kapitel Bit-Control.


7. Verhalten einer Sequence im Betrieb

Eine Sequence befindet sich zu jedem Zeitpunkt in genau einem Zustand.

Unabhängig vom Betriebsmodus gilt:

  • Zustände bleiben gültig

  • Erwartungen bleiben aktiv

  • Überwachung bleibt aktiv

Im Betrieb bedeutet das:

  • Zustände werden erfüllt oder nicht erfüllt

  • Abweichungen sind eindeutig lokalisierbar

  • Reaktionen erfolgen deterministisch

Eine Sequence kennt keine Sonderfälle für Hand- oder Automatikbetrieb – sie arbeitet immer im selben Zustandsraum.


8. Abgrenzung zu anderen Elementen

Zur Klarstellung:

  • Eine Sequence ist keine Hardware-Zone → sie steuert nicht Betrieb oder Startfreigabe

  • Eine Sequence ist keine Zone → sie repräsentiert keine konkrete Technik

  • Eine Sequence ist keine Sicherheitsfunktion → Sicherheit entsteht durch modellierte Überwachung, nicht durch Ablauf

  • Eine Sequence ist kein Code-Modul → sie ist ein formales Verhaltensmodell


9. Typische Modellierungsfehler bei Sequences

Häufige Fehler sind:

  • Sequences mit zu großer funktionaler Verantwortung

  • technische Zustände statt logischer Zustände

  • Vermischung von Ablauf und Sicherheitslogik

  • Betriebsartenlogik innerhalb der Sequence

  • implizite Annahmen statt expliziter Modellierung

Eine gute Faustregel:

Wenn sich eine Sequence nicht in einem Satz erklären lässt, ist sie zu groß.


10. Zusammenfassung

Eine Sequence ist:

  • die zentrale funktionale Einheit in Selmo

  • ein deterministisches Zustandsmodell

  • klar abgegrenzt und verantwortlich

  • unabhängig von Betrieb, UI und Implementierung

Sie bildet die Grundlage für:

  • saubere Abläufe

  • automatische Diagnose

  • nachvollziehbare Dokumentation

  • sichere Erweiterbarkeit

Wer die Sequences versteht, versteht die Maschine.

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