Zone
Ziel: Verbindung zur realen Technik Inhalt:
Zonentypen (Input, Output, In-Out, Mem)
Signalzuordnung
HMI-Texte
Diagnosefähigkeit
1. Warum gibt es Zonen?
In klassischen Steuerungsprojekten werden Signale direkt im Code verwendet. Ihre Bedeutung entsteht implizit durch Logik, Kommentare oder Erfahrung.
Das führt zu typischen Problemen:
Signale sind kontextlos
Bedeutung ändert sich je nach Stelle im Code
Diagnose ist unscharf oder manuell
Sicherheits- und Ablaufaspekte vermischen sich
Die Zone existiert, um Signalen Bedeutung, Verantwortung und Kontext zu geben.
2. Was ist eine Zone?
Eine Zone ist die formale Repräsentation eines technischen Sachverhalts innerhalb einer Sequence.
Eine Zone:
kapselt ein oder mehrere Signale
verleiht ihnen funktionale Bedeutung
ist im Kontext einer konkreten Sequence definiert
ist eindeutig diagnostizierbar
Alles, was in einer Sequence verwendet wird, muss eine Zone sein.
Eine Zone ist nicht:
nur ein Eingang
nur ein Ausgang
nur ein Speicherbit
Sie ist Bedeutung + Verhalten + Diagnose.
3. Einordnung im Selmo-Gesamtmodell
Die Zone ist das Bindeglied zwischen Logik und realer Technik:
Sequence – beschreibt was passieren soll
Zone – beschreibt womit es passiert
Signal – ist die physikalische Umsetzung
Zonen existieren nicht global, sondern immer:
innerhalb einer Sequence
mit klarer funktionaler Rolle
4. Zonentypen
Selmo unterscheidet vier grundlegende Zonentypen:
Input-Zone
repräsentiert reine Rückmeldungen
z. B. Sensoren, Taster, Statussignale
keine aktive Beeinflussung
Output-Zone
repräsentiert reine Aktionen
z. B. Ventile, Lampen, Motorfreigaben
keine Rückmeldung im Modell
In-Out-Zone
kombiniert Aktion und Rückmeldung
z. B. Zylinder, Achsen, Greifer
typische Quelle für Ablaufüberwachung
Mem-Zone
rein logischer Speicher
keine physikalische Entsprechung
speichert Zustands- oder Ablaufinformationen
Der Zonentyp definiert Struktur, nicht Verhalten.
5. Zone und Signalzuordnung
Eine Zone wird mit realen Signalen verknüpft:
Eingänge
Ausgänge
oder beides
Dabei gilt:
eine Zone kann mehrere Signale enthalten
eine Zone ist keine SPS-Adresse
Signale können ausgetauscht werden, ohne das Modell zu ändern
Die Zone ist stabil – die Technik ist austauschbar.
6. Zone im System-Layer (Bit-Control-Kontext)
Das Verhalten einer Zone wird nicht im Code, sondern im System-Layer festgelegt.
Für jeden Zustand der Sequence wird definiert:
ob die Zone relevant ist
welches Verhalten erwartet wird
welche Abweichungen erlaubt sind
Dies geschieht über Bit-Control-Operanden (0, S, i).
Zone + Zustand + Operand = Verhaltensvertrag
Die vollständige Bedeutung der Operanden ist im Kapitel Bit-Control beschrieben.
7. Verhalten einer Zone im Betrieb
Eine Zone ist zu jedem Zeitpunkt:
bewertbar
überwachbar
diagnostizierbar
Abhängig vom gesetzten Operanden:
S→ erwartetes Verhalten / Führungi→ zwingende Bedingung / Schutz0→ keine Bedeutung im aktuellen Zustand
Eine Zone kennt keinen „Debug-Zustand“ und keinen Sondermodus.
8. Zone im Handbetrieb
Im Handbetrieb zeigt die Zone unmittelbar ihren Zustand:
blau → Zone erfüllt die Erwartung des aktuellen Zustands
rot → Zone weicht vom erwarteten Verhalten ab
Der Bediener erkennt:
welche Zone relevant ist
warum ein Zustand nicht erfüllt ist
wo gezielt eingegriffen werden muss
Der Bediener arbeitet nicht an Aktoren, sondern an der Erfüllung von Zonenbedingungen.
9. Sicherheitsfunktionen auf Zonenebene
Zonen sind Träger von Sicherheits- und Überwachungsfunktionen:
Interlock (
i) zustandsabhängige AblaufüberwachungCMZ (Constantly Monitoring Zone) zustandsunabhängige, permanente Überwachung
Pair-Check Überwachung widersprüchlicher Signalzustände
weitere Plausibilitätsprüfungen (z. B. Bear-Check)
Sicherheit ist eine Eigenschaft der Zone, nicht des Codes.
10. Zone und Diagnose
Jede Zone besitzt:
einen klaren HMI-Text
eine eindeutige Bedeutung
einen definierbaren Diagnosegrund
Diagnose entsteht automatisch:
aus dem aktuellen Zustand
aus dem erwarteten Verhalten
aus der tatsächlichen Signalrückmeldung
Es gibt keine Diagnose ohne Zonenursache.
11. Abgrenzung zu anderen Elementen
Zur Klarstellung:
Eine Zone ist keine Sequence → sie beschreibt keinen Ablauf
Eine Zone ist kein Signal → sie verleiht Signalen Bedeutung
Eine Zone ist keine Hardware-Zone → sie kapselt keine Betriebsarten
Eine Zone ist keine Sicherheitssteuerung → sie modelliert Überwachung, ersetzt aber keine Hardware-Sicherheit
12. Typische Modellierungsfehler bei Zonen
Häufige Fehler sind:
Signale ohne Zone
Sammelzonen ohne klare Bedeutung
technische statt funktionale Zonen
Sicherheitslogik außerhalb der Zone
gleiche Zone für unterschiedliche Aufgaben
Eine gute Faustregel:
Wenn eine Zone nicht erklärbar ist, ist sie falsch modelliert.
13. Zusammenfassung
Eine Zone ist:
die kleinste bedeutungstragende Einheit in Selmo
die Verbindung zwischen Logik und Technik
vollständig überwachbar und diagnostizierbar
Grundlage für sicheren Betrieb und klare Bedienung
Ohne Zonen gibt es keine erklärbare Maschine.
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