Selmo Standard Überblick

1.2 Der Selmo-Standard

Der Selmo-Standard beschreibt Maschinen in einer festen Struktur:

PLANT(PLC)
└── Hardware-Zonen (HWZ)
    └── Sequences (SEQ)
        └── Zonen (Input, Output, In-Out, Mem)

Jede logische Prozesseinheit (z. B. Stationen, Roboteransteuerung, Förderband usw.) wird als eigene SEQ modelliert – mit definierten Zuständen und verknüpften Signalen in Zonen.

Jede Zone enthält:

  • Signalname

  • IO-Definition

  • HMI-Text

  • Verhalten pro Zustand (über Bit-Control definiert)

🔧 Der Selmo-Standard – Überblick und Grundfunktionen

Der Selmo-Standard definiert eine durchgängige Struktur für die Modellierung, Steuerung und Diagnose von Maschinen. Er ist modular aufgebaut und basiert auf drei zentralen Prinzipien:

  1. Modell statt Programmcode

  2. Zustandsbasiertes Verhalten statt Signalfolgen

  3. Automatisierte Diagnose durch festes Systemverhalten

Jede Maschine wird in einer klaren Hierarchie abgebildet:


🔹 Strukturelemente des Selmo-Standards

Ebene
Beschreibung

Plant

Die gesamte Maschine oder Anlage in einer PLC

Hardware-Zone

Ein steuerbarer Maschinenteil (z. B. Station mit mehreren SEQ, Bereichen) mit eigener Betriebsart

Sequence

Ein logischer Ablaufprozess mit definierten Zuständen in einer Station (z. B. Spannen, Bohren)

Zone

Eine technische Funktionseinheit (z. B. Zylinder, Taster, Sensor)


🧩 Grundfunktionen des Selmo-Standards

Nachfolgend die wichtigsten integrierten Funktionen, die jede Sequence und Zone nach dem Selmo-Standard unterstützt:


⚙️ 1. Bit-Control (System-Layer)

  • Definiert pro Zustand, wie sich jede Zone verhält

  • Operanten:

    • 0 = Don’t care – keine Relevanz

    • I = Interlock – Bedingung muss erfüllt sein

    • S = Sequence Check – Aktion wird erwartet und überwacht

    • M = Monitoring - wie Interlock, aber ohne Abschaltung - dokumentiert Abweichung

  • Grundlage für Automatikfreigabe, Zustandswechsel und Fehlerdiagnose


🔍 2. Sequence Check

  • Erwartete Aktion im Automatikbetrieb

  • Wird mit dem tatsächlichen Signal verglichen

  • Bei Abweichung: Diagnose mit blauem Hinweis im HMI als Info für Weiterschaltbedingung je Signal

  • Führt zur Freigabe des nächsten Zustands, wenn alle S erfüllt sind


🛑 3. Interlock Check

  • Überwacht kritische Bedingungen in jedem Zustand

  • Wenn ein I verletzt wird: Automatik stoppt sofort, rote Fehlermeldung

  • Auch im Handbetrieb sichtbar → gezielte Korrektur möglich

  • Monitoring ist gleiche Funktion, aber schaltet nicht ab


🚨 4. CMZ (Constantly Monitoring Zone)

  • Permanente Überwachung sicherheitsrelevanter Signale

  • Fehler wirken übergreifend auf:

    • Sequence (nur SEQ Fehler)

    • Hardware-Zone (alle SEQ in der HWZ Fehler)

    • Plant (alle HWZ Fehler)

  • Führt zur sofortigen Sperrung von Automatik und Handbetrieb

  • Fehler sind nicht übersteuerbar


✋ 5. MXIC (Manual Cross Interlock Check)

  • Kontrolliert im Handbetrieb, ob eine manuelle Bewegung erlaubt ist

  • Wenn nicht erlaubt: → keine Bewegung, → Diagnose mit Erklärung, warum nicht

  • Sicherheitslogik: keine manuelle Bewegung gegen logische Bedingungen


👁️ 6. HMI-Verknüpfung (automatisch)

  • Jede Zone ist mit einem HMI-Text verknüpft

  • Fehler werden automatisch lokalisiert und farblich codiert:

    • Rot = Interlock-Fehler (Keine Automatik)

    • Blau = Sequence Check aktiv (Automatik möglich oder in Automatik aktiv)

  • Bediener sieht jederzeit, was erwartet wird und was fehlt


⏱️ 7. Steptime

  • Zeitüberwachung für bestimmte Zustände möglich

  • Wird z. B. verwendet bei Wartezeiten, Sicherheitsabläufen etc.


🔁 8. Sequence Cross

  • Gleichtaktübergänge zwischen mehreren Sequenzen

  • Ermöglicht Synchronisation z. B. mit Roboter oder weiteren Stationen

  • Modularer Aufbau über Sequenzgrenzen hinweg


🧠 9. Parameter-Layer

  • Ermöglicht Definition und Nutzung von nicht-binären Werten:

    • Zeiten

    • Geschwindigkeiten

    • Anzahl Wiederholungen

  • Parameter können direkt vom HMI beschrieben werden

  • Flexibiliserung des Prozessablauf mit Parameter (Positionen, Längen usw.)


📋 10. Automatische Diagnose

  • Fehler, Warnungen und Zustände werden aus dem Modell abgeleitet

  • Keine manuelle Programmierung der Diagnose notwendig

  • Fehler sind kontextbezogen, lokalisiert und visuell erkennbar, BItgenaue Information


Was der Selmo-Standard leistet

Vorteil
Beschreibung

Struktur

Einheitliche, wiederverwendbare Steuerarchitektur

Sicherheit

Interlocks, CMZ und MXIC als integrierte Sicherheitsmechanismen

Transparenz

Automatische Diagnose mit klaren HMI-Rückmeldungen

Modularität

Maschinen lassen sich in Sequenzen aufteilen und kombinieren

Wartbarkeit

Jeder Ablauf ist nachvollziehbar modelliert, nicht programmiert

Determinismus

Verhalten ist in jedem Zustand eindeutig definiert

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