3. SIPOC-Struktur des PTF

SIPOC steht für Supplier Input Process Output Customer

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Supplier

Definition: Supplier sind die Verantwortlichen, die Input-Daten, Dokumente oder Wissen in den PTF einspeisen. Sie liefern geprüfte Informationen, die als Grundlage für Prozess, Technologie und Funktion dienen.

Qualitätskriterien:

  • Eindeutig, prüfbar, deterministisch

  • Versioniert, freigegeben, dokumentiert

  • Normkonform (ISO, CE, MVO 2027)

chevron-rightSIPOC – „Supplier“ im Selmo-PTFhashtag

1) Definition

Supplier (Lieferant) ist die verantwortliche Rolle/Organisation, die verbindliche Eingaben (Inputs) für den PTF-Prozess liefert. Diese Eingaben sind fachlich korrekt, vollständig, prüfbar und versioniert – und bilden die Grundlage für Process-, Technology- und Function-Definition sowie die spätere formale Verifikation im Selmo-Modell.

Merksatz: Supplier ≠ „wer es am lautesten fordert“, sondern wer inhaltlich verantwortet, wer Datenquellen besitzt und die Konsequenzen fachlich tragen kann.

2) Prinzipien zur Identifikation eines Suppliers

Ein Stakeholder ist Supplier, wenn er…

  • Originalquelle für einen Input ist (z. B. Prozesswissen, Normvorgaben, I/O-Daten, Schnittstellen).

  • Änderungsautorität über diesen Input hat (darf fachlich entscheiden).

  • Lieferverpflichtung bzgl. Format, Termin, Reifegrad übernimmt.

  • Prüfbarkeit sicherstellt (Grenzen, Toleranzen, Messpunkte, Testfälle).

  • Traceability gewährleistet (Version, Änderungsgrund, Verantwortlicher).

3) Typische Supplier-Rollen im PTF (mit gelieferten Inputs)

  • Prozessverantwortlicher / Industrial Engineering Liefert: Prozessziel & Takt, Wertstrom, Zustands-/Ablaufbeschreibung, Abbruchkriterien, Prozessparameter (Zeiten, Toleranzen), Qualitätsmerkmale.

  • Prozessingenieur (Technologe) Liefert: Detail-Arbeitsfolgen, Ressourcen, Hilfsstoffe, Prüfpläne, Messstellen, Sicherheitsannahmen (PLr/SIL-Bedarf).

  • Mechanik-Konstruktion Liefert: Kinematik/Layouts, Stückliste, Medien (Druckluft, Vakuum), Sicherheitsabstände, Endlagen; mechanische Schnittstellen.

  • Elektro/Steuerung (E-Plan/Hardware) Liefert: Stromlaufplan, I/O-Liste, Schutzkreise, Sicherheitsarchitektur, Klemmpläne, Klemmenbezeichnungen.

  • Automation/Selmo-Modellierung (Software) (als Supplier für F-Inputs) Liefert: Funktionsblätter (z. B. Addierer), Trigger/Feedback, Grenzwerte, Fehlerreaktionen, CMZ/MXIC-Bedarf.

  • IT/OT & Datensysteme (MES/ERP/SCADA/Cloud) Liefert: Schnittstellenbeschreibung (Protokoll, Topics/Tags, Payload, QoS), Datenfelder, Latenz/Verfügbarkeit, Security-Vorgaben.

  • Externe Technologie-Lieferanten (Roboter, Vision, Antriebe, Sensorik) Liefert: Datenblätter, Schnittstellen-/Command-Set, Zykluszeiten, Genauigkeit, Diagnose/Alarme.

  • Sicherheit/CE/Normen Liefert: Geltende Normen, Risikobeurteilung, PLr/SIL-Nachweise, Schutzmaßnahmen.

  • Qualität Liefert: Prüfkonzept, SPC-Regeln, Freigabekriterien, Traceability-Anforderungen.

  • Betrieb/Instandhaltung Liefert: Wartungsanforderungen, HMI-Bedienkonzept, Reaktionszeiten, Ersatzteilstandards.

  • Utilities/Facility Liefert: Medienverfügbarkeit (Strom, Luft, Kühlung), Grenzwerte, Anschlusspunkte.

4) Artefakte/Deliverables je Supplier (PTF-Kennzeichnungsvorschlag)

  • PTF-PROC – Prozessbeschreibung (SIPOC, Zustandslogik, Parameterliste)

  • PTF-TECH – Technologiematrix (Sensoren/Aktoren, Hersteller, Lebensdaten)

  • PTF-IO – I/O-Liste (Adresse, Signalname, Zone, CMZ-Level)

  • PTF-IF – Schnittstellen-Spezifikation (Protokoll, Topics/Tags, Felddefinitionen)

  • PTF-FUNC – Funktionsblatt (z. B. Addierer): Inputs/Outputs, Domänen, Grenzwerte, Fehlerfälle, Testfälle

  • PTF-SAFE – Sicherheitsnachweise (PLr/SIL, Schutzkreise, MXIC/Interlocks)

  • PTF-HMI – HMI-Texte, Bedienkonzept, Diagnosemeldungen

  • PTF-Q – Qualitäts-/Abnahmeplan (DoE, SPC, Grenzmuster)

5) Qualitäts- & Reifegradkriterien für Supplier-Inputs (Definition of Ready)

Jeder Input muss:

  • Eindeutig & deterministisch sein (keine Interpretationslücken, klare Zustände/Übergänge).

  • Domänen/Grenzen definieren (Min/Max, Toleranzen, Einheiten, Default-Werte).

  • Fehler- & Diagnoseverhalten beschreiben (Erkennung, Reaktion, Rückkehrbedingungen).

  • Verifizierbar sein (Messpunkte, Testfälle, Akzeptanzkriterien).

  • Versioniert & rückverfolgbar sein (ID, Datum, Verantwortlicher, Änderungsgrund).

  • Formalgerecht vorliegen (Templates/Struktur wie oben).

6) RACI-Rahmen (typisch)

  • Responsible (R): jeweilige Supplier-Rolle pro Input

  • Accountable (A): PTF-Lead / Projektleitung

  • Consulted (C): angrenzende Disziplinen (z. B. Sicherheit, Qualität)

  • Informed (I): Stakeholder (Betrieb, Einkauf, PMO)

7) Supplier-Checkliste (zur schnellen Zuordnung)

  1. Wer ist Originalquelle der Information?

  2. Wer entscheidet bei Zielkonflikten?

  3. Wer unterschreibt den Input (fachliche Freigabe)?

  4. In welchem Format wird geliefert (PTF-Artefakt)?

  5. Bis wann (Fälligkeit/Milestone)?

  6. Wie wird die Prüfbarkeit nachgewiesen (Testfälle, Messpunkte)?

8) Eintrag-Template (für dein Prozessdokument)

Supplier-Record
Rolle/Organisation: ______________________________
Verantwortlich (Name/Kontakt): ___________________
Liefert (Artefakte): _____________________________
PTF-IDs: ________________________________________
Format/Standards: ________________________________
Reifegrad (Draft/Review/Released): _______________
Fälligkeit/Milestone: ____________________________
Abhängigkeiten: _________________________________
Prüfkriterien/Tests: _____________________________
Freigabe durch (A): ______________________________

9) Mini-Beispiele

  • Supplier: Prozessingenieur (R) Liefert PTF-PROC mit Takt 18 s, Zustandskette, Parametern (Presszeit, Temperatur), Abbruchkriterien; Testfälle für Soll/Ist-Abgleich. A: PTF-Lead; C: Qualität, Sicherheit.

  • Supplier: IT/MES (R) Liefert PTF-IF (REST/MQTT, Feldliste „OrderId, Variant, Result, TraceId“, Retry/Timeout), Datenqualitätsregeln. A: PTF-Lead; C: Automation.

Input

Definition: Inputs sind die formalen Informationen, die von den Suppliern geliefert werden. Sie beschreiben, was im PTF-Prozess analysiert, geprüft und in die Selmo-Struktur überführt wird.

chevron-rightSIPOC – „Input“ im Selmo-PTFhashtag

1) Definition

Input bezeichnet alle verbindlichen Informationen, Dokumente, Daten oder Modelle, die von den identifizierten Suppliern geliefert werden, um den PTF-Prozess (Process – Technology – Function) auszuführen. Diese Inputs sind die Grundlage für:

  • die Modellierung im Selmo-Studio,

  • die formale Verifikation (Determinismus, Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit),

  • die automatisierte Dokumentation und

  • die Risiko- und Qualitätsbewertung.

Ein Input ist erst gültig, wenn er:

  • vollständig, eindeutig und konsistent ist,

  • im richtigen Format vorliegt,

  • einer Version und Quelle zugeordnet ist,

  • und vom PTF-Lead oder Projektleiter freigegeben wurde.


2) Ziel des Input-Schrittes

  • Verfügbarkeit aller fachlich geprüften Informationen vor Beginn der Modellierung

  • Reduktion von Interpretationsspielräumen

  • Formale Übergabe zwischen Disziplinen (Mechanik, Elektro, Software, IT)

  • Standardisierte Formate zur einfachen Integration in das Selmo-System


3) Hauptkategorien von Inputs im PTF

Jeder Input gehört zu einer der drei PTF-Ebenen:

Ebene
Input-Typ
Beschreibung
Beispiel

P – Process

Prozessbeschreibung

Beschreibt den logischen und physikalischen Ablauf.

Prozessdiagramm, Schrittfolge, Zustandsmatrix

Parameterliste

Prozessparameter, Grenzwerte, Zeitvorgaben

Zykluszeit, Temperatur, Druck, Positionen

Qualitätsmerkmale

Messgrößen, Prüfkriterien, Grenzmuster

Prüfdruck, Maßtoleranzen

T – Technology

Technologiematrix

Übersicht aller eingesetzten Technologien, Geräte, Systeme

Sensorik, Aktorik, Roboter, SPS, Busse

I/O-Liste

Zuordnung von Signalen zu Zonen, Adressen, CMZ-Level

Inputs/Outputs, Symbolik, Signalnamen

Schnittstellenbeschreibung

Definition von Kommunikationswegen zu Subsystemen

MES, ERP, SCADA, Robotik, Safety

F – Function

Funktionsblätter

Dokumentation der logischen Funktionen

Addierer, PID-Regler, HMI-Meldung

Diagnose-/Fehlerlogik

Beschreibung von Überwachungen und Reaktionen

Grenzverletzung → Stopp + Alarm

Test-/Verifikationsfälle

Prüfschritte, erwartete Outputs

Input A+B=Result, Timeout-Test, Interlock-Check


4) Standardisierte Formate & Templates (Selmo-Vorschlag)

PTF-Input
Empfohlenes Format
Beschreibung / Zweck
Kommentar

PTF-PROC (Prozessbeschreibung)

MS Excel oder Selmo Template (CSV/XML)

Enthält Prozessschritte, Zustände, Bedingungen, Parameter

Standardvorlage mit SIPOC-Header

PTF-PARAM (Parameterliste)

Excel / CSV

Schlüssel-Parameter (Name, Einheit, Min/Max, Default, Beschreibung)

Automatisch importierbar ins Selmo-Studio

PTF-TECH (Technologiematrix)

Excel / Selmo Template

Auflistung aller Systemkomponenten (Typ, ID, Schnittstelle, Hersteller)

Grundlage für Zonenaufbau

PTF-IO (I/O-Liste)

Excel / EPLAN-Export (CSV/XML)

Signalname, Adresse, Zonentyp, CMZ-Level

Import in Selmo-Zonenstruktur

PTF-IF (Schnittstellenbeschreibung)

PDF / JSON / YAML

Kommunikationsschnittstellen (Protokoll, Tags, Datentypen, Richtung)

Für MES, Robotik, Cloud etc.

PTF-FUNC (Funktionsblatt)

Selmo Funktionsdokument (Word/PDF/XML)

Inputs, Outputs, Trigger, Überwachungen, Testfälle

Funktionsstandardisierung

PTF-SAFE (Sicherheitsbeschreibung)

PDF / Excel

Interlock, CMZ, PLr/SIL, Abschaltmatrix

Grundlage für Risikobeurteilung

PTF-HMI (HMI-Texte und Bedienkonzept)

Excel / JSON

Texte, Farben, Zustände, Diagnosen

Automatisch generierbar

PTF-Q (Qualitätsplan)

PDF / Excel

Prüfpläne, Grenzwerte, SPC-Regeln, Messzyklen

Traceability und Audit-Nachweis


5) Anforderungen an Form und Qualität (Definition of Ready)

Ein Input ist bereit für die PTF-Verwendung, wenn er:

Kriterium
Beschreibung
Beispiel

Eindeutig

Keine Mehrdeutigkeit in Begriffen oder Zuständen

"Zylinder fährt ein" statt "Zylinder aktiv"

Vollständig

Alle relevanten Parameter, Zustände, Schnittstellen definiert

Alle Prozessschritte abgebildet

Verifizierbar

Messbar, prüfbar, testbar

Testfall „A+B=Result“ mit Grenzwerten

Deterministisch

Keine undefinierten Übergänge oder Zustände

Kein "Warten auf unbestimmtes Signal"

Rückverfolgbar

Eindeutige Zuordnung zu Quelle, Version, Datum

„PTF-PROC v1.2, erstellt von M. Müller“

Freigegeben

Formal vom Verantwortlichen bestätigt

„Released“-Status im PTF-Register


6) Versions- und Datenmanagement

  • Alle Inputs erhalten eine eindeutige PTF-ID (z. B. PTF-PROC-001).

  • Änderungen erfolgen nach Änderungsprozess (Change Log) mit Freigabe.

  • Formatvorgabe:

    • Textuelle Daten: .docx, .pdf, .md

    • Tabellarische Daten: .xlsx, .csv

    • Strukturierte Daten: .xml, .json

  • Alle Daten werden im Projektverzeichnis „/PTF/Input“ versioniert abgelegt.


7) Zeitliche Einordnung

Inputs müssen vor Beginn der Modellierung vollständig vorliegen. Empfohlene Milestones:

Phase
Input-Fokus
Deliverable

Kick-off → Design-Freeze (0–20%)

Prozessbeschreibung (PTF-PROC), Parameterliste

Prozessbasis klar

Design-Freeze → Technologieplanung (20–40%)

Technologiematrix, I/O, Safety

Hardware abgestimmt

Vor Inbetriebnahme (40–70%)

Funktionen, Schnittstellen

Softwaredefinition komplett

Vor Freigabe (70–100%)

HMI, Qualitätsplan, Tests

Vollständige Verifikation


8) Beispiel eines vollständigen Input-Datensatzes


9) Verantwortlichkeiten (RACI für Inputs)

Rolle
R
A
C
I

Prozessingenieur

X

Qualität, Sicherheit

Projektleitung

Mechanik / Elektro

X

Automation

Projektleitung

Software / Automation

X

Prozess

Projektleitung

PTF-Lead

X

alle

PMO

Qualität / Sicherheit

X

alle


10) Fazit

Ein Input im PTF-Prozess ist nicht „ein Dokument“, sondern ein verantwortlich geprüfter Datenstand, der das Verhalten, die Technologie und die Funktion einer Maschine beschreibt. Nur durch klare Formate, Freigaben und Prüfbarkeit entsteht die Basis für:

  • deterministische Modellierung,

  • fehlerfreie Umsetzung,

  • und formale Nachvollziehbarkeit im gesamten Lebenszyklus.

Process

Definition: Der PTF-Prozess beschreibt den Ablauf von der Anforderung bis zur Freigabe.

Phasen:

  1. Initiierung & Scope

  2. Prozessbeschreibung (P)

  3. Technologieanalyse (T)

  4. Funktionsdefinition (F)

  5. Review & Risiko

  6. Freigabe & Übergabe

Kunde → liefert Anforderungen PTF-Lead → strukturiert Prozess, Technologie, Funktion Mechanik / Elektro → definieren Systeme und Schnittstellen Software → modelliert das Verhalten im Selmo-Studio Qualität / Sicherheit → prüft Normen und Risiken Management → gibt frei und steuert Budget

→ Ergebnis: Ein vollständiger, deterministischer Projektfluss ohne Interpretationslücken.

Ziel: Ein Selmo-konformes, deterministisches Maschinenmodell mit dokumentierten Risiken, Abweichungen und Freigaben.

chevron-rightSIPOC – Process im Selmo-PTFhashtag

1) Definition

Der PTF-Prozess beschreibt den formalen Ablauf von der Erfassung der Anforderungen bis zur Freigabe des vollständigen, Selmo-konformen Prozessmodells. Er ist verbindlich für alle Projekte, die nach der Selmo-Methode aufgebaut werden, und stellt sicher, dass jede Maschine deterministisch, prüfbar und dokumentiert entsteht.

Der Prozess folgt den drei PTF-Dimensionen:

  • P – Process → Was passiert?

  • T – Technology → Womit passiert es?

  • F – Function → Wie funktioniert es?


2) Ziel des Prozesses

  • Herstellen einer vollständigen, Selmo-konformen Prozessdefinition

  • Trennung von Prozess-, Technologie- und Funktionsverantwortung

  • Schaffen der Basis für das Selmo-Prozessmodell (Sequence, Zonen, Bit-Control)

  • Erkennen, Dokumentieren und Bewerten von Nicht-Konformitäten oder Risiken

  • Formale Nachvollziehbarkeit und Risikotransparenz im gesamten Lebenszyklus

Leitsatz: Alles, was nicht im PTF beschrieben, dokumentiert und bewertet ist, darf im Selmo-Modell nicht implementiert werden.


3) Prozessübersicht (Top-Level)

Der PTF-Prozess gliedert sich in sechs Phasen mit klar definierten Übergabepunkten und Verantwortlichkeiten.

Phase
Ziel
Hauptergebnis

1. Initiierung & Scope

Projektumfang und Systemgrenzen festlegen

PTF-Scope-Dokument

2. Prozessaufnahme & Beschreibung (P)

Physikalischen und logischen Ablauf definieren

PTF-PROC, Parameterliste

3. Technologieanalyse (T)

Technologien, Schnittstellen und Systemkomponenten bestimmen

PTF-TECH, PTF-IO, PTF-IF

4. Funktionsdefinition (F)

Funktionen spezifizieren und dokumentieren

PTF-FUNC, PTF-SAFE

5. Review & Risikobewertung

Selmo-Konformität prüfen, Abweichungen bewerten

PTF-RISK, Review-Protokoll

6. Freigabe & Übergabe

PTF formal freigeben, Basis für Modellierung schaffen

PTF-Release, Übergabeprotokoll


4) Detaillierter Ablauf

Phase 1 – Initiierung & Scope

Ziel: Projekt- und Systemgrenzen klar definieren. Verantwortung: Projektleitung / PTF-Lead Schritte:

  1. Beschreibung der zu modellierenden Maschine / Anlage

  2. Festlegen des Betrachtungsumfangs (Plant, Hardware-Zonen, Sequenzen)

  3. Definition der Liefergrenzen zwischen Disziplinen

  4. Einrichtung der PTF-Artefaktstruktur (Verzeichnisse, Templates)

  5. Benennung der Supplier und Verantwortlichen

Ergebnis:

  • PTF-Scope-Dokument

  • Rollen- & Verantwortlichkeitsmatrix

  • PTF-Verzeichnisstruktur (Input/Process/Output)


Phase 2 – Prozessaufnahme & Beschreibung (P)

Ziel: Den vollständigen Prozessablauf beschreiben – physikalisch und logisch. Verantwortung: Prozessverantwortlicher / Industrial Engineering

Schritte:

  1. Erhebung des realen oder geplanten Prozessablaufs (Wertstrom, Schritte, Übergänge)

  2. Definition der Zustände, Auslöser, Bedingungen und Abbruchkriterien

  3. Identifikation aller Prozessparameter (Zeiten, Temperaturen, Kräfte, Wege etc.)

  4. Dokumentation im PTF-PROC (Prozessbeschreibung)

  5. Erstellung einer Parameterliste (PTF-PARAM)

Abhängigkeiten:

  • Benötigt Input von Mechanik und Elektro (Layout, Sensorik)

  • Liefert Basis für Technologie- und Funktionsdefinition

Ergebnis:

  • Vollständige Prozessbeschreibung (Zustände, Übergänge, Ziele)

  • Parameter- und Qualitätsdefinition


Phase 3 – Technologieanalyse (T)

Ziel: Alle Technologien, Geräte und Schnittstellen beschreiben und auf Selmo-Konformität prüfen. Verantwortung: Technologieverantwortlicher (Elektro/Mechanik/Automation)

Schritte:

  1. Erstellung der Technologiematrix (PTF-TECH) – Sensoren, Aktoren, Schnittstellen, Medien, Steuerungen

  2. Erstellung der I/O-Liste (PTF-IO) – Zuordnung zu Zonen, Signaltypen, CMZ-Level

  3. Definition der System- und Datenschnittstellen (PTF-IF) – MES, Roboter, Safety, Cloud, etc.

  4. Bewertung der Selmo-Konformität:

    • deterministische Signale?

    • eindeutige Zustände?

    • Rückmeldungen vorhanden?

    • synchronisierbar?

  5. Dokumentation von Nicht-Konformitäten im PTF-RISK

Ergebnis:

  • Vollständige Technologiematrix

  • Schnittstellenübersicht

  • Bewertung der Selmo-Tauglichkeit


Phase 4 – Funktionsdefinition (F)

Ziel: Alle im Prozess verwendeten Funktionen dokumentieren, standardisieren und verifizieren. Verantwortung: Funktionsverantwortlicher (Software / Automation)

Schritte:

  1. Erstellung von Funktionsblättern (PTF-FUNC) für alle logischen Funktionen

  2. Definition von Inputs, Outputs, Triggern, Grenzwerten, Überwachungen

  3. Zuordnung zu Prozess- und Technologieelementen

  4. Erstellung der Sicherheits- und Überwachungsfunktionen (PTF-SAFE)

  5. Definition von Testfällen / Verifikationspunkten

Abhängigkeiten:

  • Erfordert vollständigen Prozess (Phase 2) und Technologie (Phase 3)

  • Ergebnisse fließen in Selmo-Standardfunktionen (z. B. Addierer, Interlock, Timer) ein

Ergebnis:

  • Dokumentierte, prüfbare Funktionsbibliothek

  • Definierte Überwachungen (CMZ, MXIC, Pair-Check etc.)


Phase 5 – Review & Risikobewertung

Ziel: PTF-Vollständigkeit, Selmo-Konformität und Risiken bewerten. Verantwortung: PTF-Lead / Qualität / Sicherheit

Schritte:

  1. Überprüfung aller PTF-Artefakte (PROC, TECH, FUNC)

  2. Identifikation von Nicht-Selmo-konformen Anforderungen

  3. Bewertung dieser Punkte im Risikomanagement (PTF-RISK) – Einstufung: kritisch / moderat / akzeptabel – Maßnahmen: Anpassung, Vereinfachung, Standardisierung

  4. Freigabeempfehlung oder Überarbeitung

Ergebnis:

  • PTF-Review-Protokoll

  • Risikoliste mit Verantwortlichkeiten und Maßnahmen

Hinweis: Risiken aus Nicht-Selmo-Konformität werden nicht ignoriert, sondern transparent dokumentiert. Damit bleibt das Modell konsistent, und alle Abweichungen sind bewusst, nachvollziehbar und bearbeitbar.


Phase 6 – Freigabe & Übergabe

Ziel: PTF offiziell freigeben und als Basis für Selmo-Modellierung übergeben. Verantwortung: Projektleitung / PTF-Lead

Schritte:

  1. Abschlussreview mit allen Disziplinen

  2. Formale Freigabe aller PTF-Artefakte (Release-Status)

  3. Übergabe an Selmo-Modellierung (Sequence, Zone, Bit-Control)

  4. Archivierung des PTF-Stands

  5. Beginn der Selmo-Modellierung

Ergebnis:

  • Freigegebener PTF

  • Offizielle Grundlage für das Selmo-Modell

  • Rückverfolgbarkeit bis zur Codeebene gewährleistet


5) Prozessverantwortung (RACI)

Phase
R
A
C
I

Initiierung

Projektleitung

Projektleitung

PTF-Lead

alle Stakeholder

Prozessaufnahme (P)

Prozessverantwortlicher

PTF-Lead

Technologie, Qualität

Projektleitung

Technologieanalyse (T)

Technologieverantwortlicher

PTF-Lead

Prozess, Sicherheit

Projektleitung

Funktionsdefinition (F)

Softwareverantwortlicher

PTF-Lead

Technologie, Prozess

Projektleitung

Review & Risiko

PTF-Lead, Qualität

Projektleitung

alle

Management

Freigabe & Übergabe

Projektleitung

Projektleitung

PTF-Lead

Team, Kunde


6) Schnittstellen & Abhängigkeiten

  • Prozessdaten (P) → Grundlage für Technologie- und Funktionsdefinition

  • Technologie (T) → legt physische Machbarkeit und Signalstruktur fest

  • Funktion (F) → beschreibt logisches Verhalten und Überwachung

  • Risikomanagement (RISK) → bewertet alle Abweichungen und speist sie zurück

Jede Phase darf erst freigegeben werden, wenn ihre vorgelagerte Phase abgeschlossen und validiert ist. → So wird sichergestellt, dass kein Modell auf unsicheren Annahmen basiert.


7) Qualitäts- und Reviewkriterien

Ein PTF gilt als prozessseitig abgeschlossen, wenn:

  • Alle PTF-Artefakte vorhanden, konsistent und freigegeben sind

  • Alle Supplier-Inputs validiert sind

  • Alle Schnittstellen definiert sind

  • Alle Risiken dokumentiert und bewertet sind

  • Der deterministische Ablauf nachvollziehbar modellierbar ist

  • Die Umsetzung in Selmo technisch möglich ist


8) Ergebnis und Bedeutung

Der PTF-Prozess liefert das vollständig geprüfte, formale Fundament für die Modellierung im Selmo-Studio. Er trennt:

  • Was (Prozess)

  • Womit (Technologie)

  • Wie (Funktion)

… und führt sie in einem prüfbaren, deterministischen Rahmen zusammen.

So wird der PTF zur Brücke zwischen Engineering und Automatisierung – und macht jede Maschine, die nach Selmo entsteht, transparent, nachvollziehbar und sicher.


9) Kernaussage für den Kick-off

Der PTF-Prozess ist kein Zusatz, sondern das Fundament. Er definiert, was gebaut wird, bevor etwas programmiert wird. Wenn alle Anforderungen, Technologien und Funktionen klar beschrieben, geprüft und freigegeben sind, entsteht aus dem PTF automatisch ein Selmo-konformes Prozessmodell – deterministisch, dokumentiert und überprüfbar. Und wenn etwas nicht Selmo-konform ist, wissen wir es, dokumentieren es, bewerten es und können gezielt daran arbeiten.

Output

Definition: Der Output ist das freigegebene, dokumentierte Ergebnis des PTF-Prozesses – technisch, organisatorisch und normativ.

Technische Outputs:

  • Strukturierte Selmo-Hierarchie: Plant → HWZ → Sequence → Zonen

  • Bit-Control-Matrix, Parameter, CMZ, MXIC

  • Funktionsblätter und Testfälle

  • PTF-Modelldatei (XML / PLCopen)

Organisatorische Outputs:

  • Risikobewertung (PTF-RISK)

  • Abweichungsliste

  • Normen- und CE-Nachweis

  • Kaufmännische Bewertung

Abschlusskriterium: „Das System ist PTF-vollständig, Selmo-kompatibel und freigegeben.“

chevron-rightSIPOC – Output im Selmo-PTFhashtag

1) Definition

Der Output des PTF-Prozesses ist das vollständig geprüfte, freigegebene und dokumentierte Gesamtmodell einer Maschine oder Anlage in der Selmo-Struktur. Er bildet die verbindliche Grundlage für die Programmierung, den Steuerungscode, das HMI, die Diagnose und die Sicherheitslogik.

Der Output umfasst sowohl:

  • Technische Ergebnisse (Modelle, Dokumente, Daten),

  • als auch nicht-technische Bewertungen (Risiken, Abweichungen, Normkonformität, kaufmännische Betrachtung).


2) Ziel des Outputs

  • Bereitstellung eines vollständig definierbaren Prozessmodells, das im Selmo-Studio umgesetzt werden kann

  • Sicherstellung, dass jede Funktion deterministisch, überprüfbar und normkonform ist

  • Dokumentation von Abweichungen, Restrisiken und Bewertungsergebnissen

  • Bereitstellung einer formalen Übergabe zwischen Engineering und Softwareentwicklung

Zielzustand: Der Output des PTF ist so vollständig, dass daraus automatisch ein Selmo-Modell generiert werden kann, ohne Interpretationsspielraum.


3) Technische Outputs im Detail

3.1. Strukturierter Maschinenaufbau (Selmo-Struktur)

Der PTF wird in der hierarchischen Selmo-Struktur abgebildet. Jede Ebene ist im PTF dokumentiert und kann ins Selmo-Studio überführt werden:

Ebene
Beschreibung
Typische PTF-Daten

PLANT

Gesamte Maschine oder Anlage

Plant-Datenblatt, Schnittstellenübersicht, Sicherheitszonen, Total-CMZ

Hardware-Zonen (HWZ)

Funktionsblöcke innerhalb der Anlage (z. B. Stationen, Liniensegmente)

HWZ-Beschreibung, Betriebsarten, Sicherheitslogik, Energieversorgung

Sequences (SEQ)

Logische Ablaufmodule innerhalb der HWZ (z. B. Spannen, Prüfen, Bearbeiten)

Ablaufdiagramme, Zustände, Übergangsbedingungen

Zonen (Input, Output, In-Out, Mem)

Zuordnung der physikalischen Signale zu den logischen Zuständen

Signaldefinition, CMZ-Level, HMI-Texte, Interlocks

Bit-Control (System-Layer)

Verknüpfung zwischen Zustand und Zonenverhalten (0, i, S)

Bit-Control-Matrix, Statusdefinition

CMZ (Constantly Monitoring Zone)

Permanente Sicherheitsüberwachung (Sequenz-, HWZ-, Plant-Ebene)

CMZ-Tabelle, Fehlerreaktionen

MXIC (Manual Cross Interlock)

Handbetriebsbedingungen und Freigabeverhalten

MXIC-Matrix, Diagnosebedingungen

Parameter-Layer

Prozessparameter und einstellbare Werte

Parametertabelle mit Einheiten, Grenzen, Defaultwerten

Damit entsteht aus dem PTF-Output ein vollständiges digitales Maschinenabbild, das direkt als Basis für:

  • den Selmo-Sequence-Editor,

  • die Zonenlogik,

  • die HMI-Erzeugung,

  • und die PLC-Generierung dient.


3.2. Dokumentierte Funktionsbibliothek

Alle definierten Funktionen (z. B. „Addierer“, „Position fahren“, „Zylinder bewegen“, „Ventil öffnen“) werden in einer standardisierten Form bereitgestellt:

Element
Beschreibung

Funktionsname & Zweck

Eindeutige Identifikation und Beschreibung

Inputs / Outputs

Datentypen, Einheiten, Grenzen

Triggerbedingungen

Auslöser, Start-/Stop-Logik

Überwachungen

Fehlererkennung, Rückmeldung, Grenzverletzung

Testfälle

Verifikation, Soll-/Ist-Vergleich

HMI-Integration

Anzeige, Meldung, Diagnose

Sicherheitsverhalten

CMZ, Interlock, MXIC-Bedingungen

Damit wird jede Funktion prüfbar, wiederverwendbar und dokumentiert. Diese Funktionsblätter werden im PTF als PTF-FUNC gespeichert und bilden den Standardbaukasten der Softwareentwicklung.


3.3. Normen- und Vorschriftennachweis

In der PTF-Dokumentation ist die Berücksichtigung relevanter Normen und Vorschriften explizit enthalten:

Bereich
Beispielhafte Normen / Richtlinien

Maschinensicherheit

2006/42/EG (Maschinenrichtlinie), ISO 12100, ISO 13849, IEC 62061

Softwarequalität

IEC 61131-3, ISO 9001, ISO/IEC 25010

Risikomanagement

ISO 31000, ISO 14971 (für Risikoanalyse und -bewertung)

Nachvollziehbarkeit & Dokumentation

EN 82079, ISO/IEC/IEEE 15288

Daten & Kommunikation

OPC UA, MQTT, REST, IEC 62443 (IT-Security)

Ziel: Jede verwendete Technologie, Funktion oder Softwarekomponente erfüllt oder adressiert die geltenden Normanforderungen. Abweichungen werden dokumentiert und in den Risikomanagement-Teil (PTF-RISK) übernommen.


4) Bewertung und Risikomanagement als Teil des Outputs

Der PTF-Output enthält verpflichtend folgende Bewertungen und Nachweise:

Kategorie
Inhalt
Ziel

Technische Risikobewertung

Bewertung von Prozess-, Technologie- und Funktionsrisiken

Nachvollziehbare Entscheidung, welche Risiken akzeptiert oder mitigiert werden

Abweichungsliste

Dokumentation aller Punkte, die nicht Selmo-konform oder nicht deterministisch sind

Transparente Grundlage für spätere Verbesserungen

Nicht-technische Risikobewertung

Organisatorische, wirtschaftliche, terminliche oder kommunikative Risiken

Ganzheitliche Betrachtung, kein „technischer Tunnelblick“

Kaufmännische Bewertung

Aufwand, Nutzen, Komplexität, Wirtschaftlichkeit

Begründete Priorisierung für Maßnahmen und Änderungen

Normenkonformitätsbewertung

Erfüllungsgrad relevanter Normen

Nachweis für Audits, CE-Dokumentation, Qualitätsmanagement

Diese Bewertungen sind nicht optional – sie bilden den dokumentierten Stand der Verantwortung. Das Ergebnis ist kein „perfekter“ Zustand, sondern ein bewusst bewerteter und kontrollierbarer.


5) Form der Outputs (Deliverables & Formate)

Deliverable
Format
Beschreibung / Zweck

PTF-Report

PDF / DOCX

Gesamtbericht mit Prozess-, Technologie- und Funktionsübersicht

PTF-RISK

Excel / JSON

Risikoliste mit Bewertung und Maßnahmen

PTF-MODEL

XML / PLCopen

Strukturierte Maschinendefinition (Plant, HWZ, SEQ, Zonen, Parameter)

PTF-FUNC

XML / PDF

Funktionsblätter und Prüfprotokolle

PTF-NORM

PDF

Normen- und Vorschriftennachweis

PTF-RELEASE

Signiertes Dokument

Offizielle Freigabe für Modellierung

PTF-HMI

JSON / CSV

Texte, Meldungen, Farben, Bedienabläufe

PTF-Q

Excel / PDF

Qualitätsplan, Prüfpunkte, SPC-Grenzen


6) Verantwortlichkeiten (RACI)

Output
R
A
C
I

Technischer PTF-Report

PTF-Lead

Projektleitung

Prozess, Technologie, Software

Qualität

Funktionsbibliothek

Software / Automation

PTF-Lead

Technologie

Projektleitung

Risikobewertung

PTF-Lead, Qualität

Projektleitung

alle

Management

Abweichungsliste

PTF-Lead

Projektleitung

Prozess, Technologie

Qualität

Normenbewertung

Sicherheit / Qualität

Projektleitung

Technologie

Management

Freigabe / Release

Projektleitung

Management

PTF-Lead

alle


7) Übergabe an die Selmo-Modellierung

Nach Freigabe wird der PTF-Output:

  • als Paket an das Selmo-Studio übergeben,

  • in die Modellstruktur importiert (Plant → HWZ → SEQ → Zonen),

  • automatisch in Bit-Control und HMI umgesetzt,

  • und mit der PTF-Version verknüpft (Traceability).

→ Jede Zone, jedes Signal, jede CMZ oder MXIC-Bedingung kann später direkt auf den zugehörigen PTF-Eintrag zurückgeführt werden.


8) Qualitäts- und Abschlusskriterien

Ein PTF-Output gilt als vollständig und freigegeben, wenn:

  1. Alle technischen Artefakte erstellt, geprüft und freigegeben sind

  2. Alle Risiken und Abweichungen dokumentiert und bewertet sind

  3. Die Selmo-Struktur vollständig abbildbar ist

  4. Normen- und Richtliniennachweise enthalten sind

  5. Die kaufmännische Bewertung abgeschlossen ist

  6. Das Freigabedokument unterzeichnet ist

Abschlussformel: „Das System ist PTF-vollständig, Selmo-kompatibel und für die Modellierung freigegeben.“


9) Nutzen und Bedeutung

Der PTF-Output ist der verbindliche, nachweisbare Brückenschlag zwischen Engineering und Software. Er sorgt für:

  • Determinismus in Verhalten und Steuerung,

  • Transparenz in Verantwortung und Risiko,

  • Wiederverwendbarkeit durch Standardisierung,

  • Nachvollziehbarkeit über den gesamten Lebenszyklus.

Damit wird der PTF nicht nur zur technischen Spezifikation, sondern zur organisatorischen Sicherheitslinie im Projekt.


10) Kurzform für Präsentationen / Kick-off

Der Output des PTF ist der digitale Zwilling der Maschine – bevor sie gebaut ist.

Er enthält alle Informationen, um das Selmo-Prozessmodell zu erzeugen, alle Funktionen, um deterministisch zu steuern, und alle Bewertungen, um Risiken bewusst zu managen.

→ Was nicht Selmo-konform ist, wird sichtbar. → Was dokumentiert ist, wird prüfbar. → Was freigegeben ist, wird deterministisch.

Customer

Definition: Customers sind alle Rollen, die den PTF-Output aktiv nutzen, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Hauptgruppen & Nutzen:

  • Projektleitung: Planung, Freigabe, Transparenz

  • Prozessverantwortlicher: Nachvollziehbarer Ablauf

  • Mechanik / Elektro: Sichere Signaldefinition, Schnittstellen

  • Software / Automation: Grundlage für Selmo-Modellierung

  • Qualität / Sicherheit: Nachweis & Risikobewertung

  • Management: Wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage

  • Kunde / Betreiber: Dokumentation, Vertrauen, CE-Nachweis

Kernnutzen: Jeder Stakeholder erhält prüfbare, nachvollziehbare Informationen für seine Verantwortung.

chevron-rightSIPOC – Customer im Selmo-PTFhashtag

1) Definition

Customer im PTF-Kontext sind alle Rollen oder Organisationseinheiten, die den freigegebenen PTF nutzen, um

  • ihre eigenen Aufgaben auszuführen,

  • Risiken zu reduzieren,

  • Entscheidungen zu treffen oder

  • den Lebenszyklus einer Maschine sicher zu steuern.

Der PTF ist also nicht nur Input für die Softwareentwicklung, sondern ein zentrales Führungs- und Nachweisdokument für das gesamte Projektteam – von der Technik bis zum Management.


2) Ziel

  • Klarheit schaffen, wer welchen Nutzen aus dem PTF zieht

  • Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten definieren

  • Transparenz über Risiken, Schnittstellen und Freigaben herstellen

  • Nachvollziehbarkeit über den gesamten Maschinenlebenszyklus sichern

Der PTF macht jede Rolle sichtbar – und gibt jeder Rolle ein Werkzeug, um ihre Verantwortung faktenbasiert wahrzunehmen.


3) Übersicht: Alle Stakeholder eines Selmo-Projekts

Kategorie
Rolle / Funktion
Typische Bezeichnung
Verantwortung im Projekt

Projektsteuerung

Projektleitung, PTF-Lead

PM, PTF-Manager

Koordination, Termin, Qualität, Freigabe

Prozess & Produkt

Prozessverantwortlicher, Industrial Engineer

Process Owner

Prozessdefinition, Zielzustände, Parameter

Technik (Mechanik)

Konstrukteur, Anlagenplaner

ME / Konstruktionsleiter

Mechanische Umsetzung, Sicherheit, Layout

Technik (Elektro)

Hardwareplaner, E-Plan

EE / Elektroplanung

I/O, Sensorik, Aktorik, Verdrahtung

Automation

Softwareentwickler, Selmo-Modellierer

Automation Engineer

Umsetzung in Sequence, Zonen, Bit-Control

Qualität & Sicherheit

CE, Safety, QM

Safety Officer / QMB

Normenprüfung, Risikobewertung, Nachweise

IT / OT / Daten

MES, ERP, SCADA, Cloud

Data Engineer / OT Architect

Schnittstellen, Datenfluss, IT-Sicherheit

Betrieb / Instandhaltung

Produktion, Service

Operator / Maintenance

Bedienung, Diagnose, Wartung

Management & Controlling

Geschäftsführung, Einkauf

Management, Controller

Wirtschaftlichkeit, Nachvollziehbarkeit

Kunde / Endanwender

Betreiber, Auditor

OEM / End Customer

Verfügbarkeit, Nachweisführung, Sicherheit


4) Customer-Gruppen und Nutzen aus dem PTF

4.1 Projektleitung / PTF-Lead

Warum sie den PTF brauchen: Um das Projekt methodisch, risikobasiert und transparent zu steuern.

Was sie bekommen:

  • Vollständigen Überblick über Prozess, Technologie, Funktion und Risiko

  • Klare Freigabepunkte und Meilensteine

  • Dokumentierte Schnittstellen und Verantwortlichkeiten

  • Bewertete Risiken und Restrisiken

Nutzen:

  • Planbarkeit, Qualitätssicherung, Reduktion von Nacharbeiten

  • Nachweis der Engineering-Prozesse (Auditfähigkeit)

  • Projektverantwortung rechtlich und organisatorisch abgesichert


4.2 Prozessverantwortlicher / Industrial Engineering

Warum: Er trägt die Verantwortung für den realen Prozessablauf und seine Effizienz.

Was er bekommt:

  • Transparente Beschreibung aller Prozessschritte und Zustände

  • Parameterlisten mit Toleranzen und Grenzwerten

  • Nachvollziehbare Verknüpfung zwischen physikalischem Prozess und Steuerungslogik

Nutzen:

  • Klare Übergabe an Technologie und Automation

  • Frühzeitige Risikoerkennung bei Prozessänderungen

  • Nachweis der Prozessqualität und -stabilität


4.3 Mechanik- und Elektrokonstruktion

Warum: Ihre Konstruktionen müssen deterministisch in den Steuerungsprozess integriert werden.

Was sie bekommen:

  • Verknüpfung zwischen physischer Komponente (z. B. Zylinder, Sensor) und logischem Zustand

  • I/O-Liste mit Zonen- und CMZ-Zuordnung

  • Rückmeldung bei Nicht-Selmo-konformen Signalen

Nutzen:

  • Früherkennung von Inkonsistenzen zwischen Mechanik, Elektro und Software

  • Sicherstellung der Umsetzbarkeit und Konformität

  • Nachweis der sicherheitsgerichteten Funktionen


4.4 Automation / Softwareentwicklung

Warum: Sie erzeugen aus dem PTF das Selmo-Modell und damit den Code.

Was sie bekommen:

  • Vollständige, freigegebene Prozessdefinition

  • Strukturierte Selmo-Architektur (Plant, HWZ, SEQ, Zonen, Parameter, Bit-Control)

  • Funktionsblätter und Testfälle

Nutzen:

  • Eindeutige, interpretierfreie Umsetzung

  • Formal verifizierbarer Code

  • Minimierte Implementierungs- und Debugging-Zeit

  • Direkte Traceability zwischen Modell und PTF


4.5 Qualität / Sicherheit / CE

Warum: Sie müssen Normenkonformität, Funktionale Sicherheit und Risikominimierung nachweisen.

Was sie bekommen:

  • PTF-Risikobewertung (PTF-RISK)

  • Dokumentation der Schutzmaßnahmen, CMZ, MXIC, Interlocks

  • Abweichungsliste (technisch & organisatorisch)

Nutzen:

  • Vollständiger Audit-Nachweis

  • Klare Zuordnung von Risiken und Verantwortlichkeiten

  • Minimierung rechtlicher Haftungsrisiken

  • CE-Dokumentation direkt aus dem PTF ableitbar


4.6 IT / OT / Datensysteme

Warum: Weil sie Schnittstellen und Datenflüsse bereitstellen, die sicher und deterministisch sein müssen.

Was sie bekommen:

  • Schnittstellenbeschreibung (PTF-IF)

  • Kommunikationsdefinitionen (Protokolle, Topics, Payloads)

  • Anforderungen an Datenqualität und -sicherheit

Nutzen:

  • Reproduzierbare Datenflüsse

  • Nachvollziehbare Kopplung zwischen Produktion und IT

  • Normenkonformität nach IEC 62443


4.7 Betrieb / Instandhaltung

Warum: Sie nutzen das System im Alltag und sind für Sicherheit und Verfügbarkeit verantwortlich.

Was sie bekommen:

  • HMI-Struktur mit Zuständen, Farben, Meldungen (PTF-HMI)

  • Diagnose- und Handbetriebslogik (MXIC, CMZ, Interlocks)

  • Dokumentierte Prozess- und Fehlerreaktionen

Nutzen:

  • Transparente Bedienung und Fehlersuche

  • Reduktion von Stillstandszeiten

  • Nachweis der sicheren Bedienung


4.8 Management / Controlling

Warum: Weil sie Investitionssicherheit, Prozessreife und Wiederverwendung bewerten müssen.

Was sie bekommen:

  • Gesamtüberblick über Projektstatus und Reifegrad

  • Kosten-/Nutzen-Betrachtung aus PTF-Bewertungen

  • Transparente Risikolage

Nutzen:

  • Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit

  • Reduktion versteckter Aufwände

  • Nachweis für Governance, Compliance und Qualität


4.9 Kunde / Betreiber / Endanwender

Warum: Weil er die Maschine später betreibt, auditiert oder abnimmt.

Was er bekommt:

  • Dokumentierte, nachvollziehbare Prozessbeschreibung

  • Nachweis der deterministischen und sicheren Steuerung

  • Vollständige Traceability von Anforderungen bis Code

  • PTF als Bestandteil der CE-Dokumentation

Nutzen:

  • Vertrauen in Funktion, Sicherheit und Qualität

  • Klare Nachvollziehbarkeit bei Änderungen und Service

  • Vereinfachte Wartung und Schulung


5) Zusammenfassung: Wer nutzt den PTF wofür?

Rolle
Nutzt den PTF für …
Ziel / Nutzen

Projektleitung

Steuerung, Freigabe, Nachweis

Kontrolle, Transparenz

Prozess

Definition, Parameter, Effizienz

Prozessqualität

Mechanik / Elektro

Integration, Signaldefinition

technische Umsetzbarkeit

Software / Automation

Modellierung, Code

deterministische Steuerung

Qualität / Sicherheit

Bewertung, Nachweis

Risiko- und Normenkonformität

IT / OT

Schnittstellen, Datenaustausch

sichere Kommunikation

Instandhaltung

Bedienung, Diagnose

Betriebssicherheit

Management

Wirtschaftlichkeit, Verantwortung

Entscheidungsgrundlage

Kunde / Betreiber

Betrieb, Audit

Vertrauen und Transparenz


6) Wirkung im Gesamtprojekt

Der PTF schafft für alle Stakeholder:

  • Vertrauen durch Nachvollziehbarkeit,

  • Effizienz durch klare Übergaben,

  • Sicherheit durch dokumentierte Risiken,

  • Standardisierung durch Wiederverwendbarkeit,

  • Wirtschaftlichkeit durch Vermeidung von Reibungsverlusten,

  • Compliance durch formale Konformität zu Normen und Richtlinien.


7) Fazit für das Kick-off

Jeder Stakeholder profitiert vom PTF – der Prozessingenieur durch Klarheit, der Programmierer durch Struktur, der Qualitätsbeauftragte durch Nachweis, das Management durch Sicherheit.

Der PTF ist damit nicht nur ein technisches Dokument, sondern das Verantwortungsmodell eines Projekts. Er übersetzt Prozesswissen in deterministische Steuerung – und macht jede Maschine sicher, prüfbar und erklärbar.

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