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# Einbettung des Selmo-PTF in den Gesamtprojektablauf

### **1. Grundgedanke**

Der **Selmo-PTF (Process – Technology – Function)** ist die **erste und verbindliche Phase** eines jeden Maschinen- oder Anlagenprojekts, da wo das Pflichenheft erstellt wird oder das Konzept.\
Er wird **vor** Mechanik-, Elektro- und Softwarekonstruktion durchgeführt und definiert:

* **das Problem (was soll erreicht werden?)**
* **den Prozess (wie läuft der Ablauf physikalisch und logisch ab?)**
* **die Technologie (welche Mittel, Komponenten, Schnittstellen werden eingesetzt?)**
* **die Funktionen (wie wird das Verhalten formal abgebildet und überprüft?)**

Der PTF ist somit die **formale Problembeschreibung und Lösungsdefinition**, aus der **alle weiteren Engineering-Disziplinen** ihre Arbeit ableiten.\
Er steht auf derselben Ebene wie **Mechanik-Zeichnung** und **Elektro-Schaltplan**, bildet aber die **digitale Verhaltensbeschreibung** – das **Prozessmodell**.

***

### **2. Position im Projektlebenszyklus**

```
Kundenanfrage 
   ↓
Anforderungsanalyse (Requirements)
   ↓
→ PTF-Prozess (Process – Technology – Function)
   ↓
Mechanik- & Elektrokonstruktion
   ↓
Softwareentwicklung (Selmo-Modellierung)
   ↓
Integration & Inbetriebnahme
   ↓
Validierung & CE-Dokumentation
   ↓
Übergabe an Betrieb & Service
```

#### 🔹 Einordnung:

* Der **PTF** bildet die **Übergangsphase zwischen Kunde und Engineering**.
* Alle Anforderungen (funktional, sicherheitstechnisch, wirtschaftlich) werden **hier verifiziert**, bevor etwas konstruiert oder programmiert wird.
* Änderungen sind **in dieser Phase am kostengünstigsten und risikolosesten**.

> **Prinzip:**\
> Fehler, die im PTF erkannt werden, kosten Stunden.\
> Fehler, die erst im Code auftreten, kosten Wochen.

***

### **3. Zielsetzung der frühen PTF-Phase**

1. **Problem verstehen, bevor Lösungen entstehen.**\
   – Fokus auf Prozessverständnis und Kundennutzen.
2. **Engineering-Konformität herstellen.**\
   – Abstimmung aller Disziplinen auf gemeinsame Standards.
3. **Selmo-Konformität sicherstellen.**\
   – Nur deterministische, prüfbare Prozessmodelle werden akzeptiert.
4. **Risiken identifizieren und bewerten.**\
   – Frühzeitige Risikobewertung (technisch, organisatorisch, wirtschaftlich).
5. **Nachvollziehbarkeit schaffen.**\
   – Lückenlose Dokumentation vom Requirement bis zum Code.

***

### **4. Integration in den Engineering-Prozess**

| Engineering-Phase              | Rolle des PTF                                                                                  | Ergebnis / Nutzen                                        |
| ------------------------------ | ---------------------------------------------------------------------------------------------- | -------------------------------------------------------- |
| **Pre-Sales / Angebot**        | Klärt mit dem Kunden das Prozessziel, liefert belastbare Daten für Angebot & Aufwandsschätzung | Bessere Kalkulation, klare Erwartungshaltung             |
| **Requirements Engineering**   | Formuliert Problemstellung in PTF-Struktur (Prozess, Technologie, Funktion)                    | Eindeutige, prüfbare Anforderungen                       |
| **Mechanik / Elektro-Design**  | Nutzt PTF zur Festlegung der benötigten Komponenten & Signalstruktur                           | Vermeidung von Fehlkonstruktionen                        |
| **Software / Automatisierung** | Erstellt Selmo-Prozessmodell direkt aus PTF-Output                                             | Vollständige Traceability, kein Interpretationsspielraum |
| **Qualität / Sicherheit / CE** | Bewertet PTF-Risiken & Normenkonformität                                                       | Nachweisbare Sicherheit & Dokumentation                  |
| **Betrieb / Service**          | Nutzt PTF-Dokumentation für Schulung & Diagnose                                                | Transparente Bedienung & Wartung                         |

***

### **5. Frühzeitige Prüfbarkeit und Änderungsfähigkeit**

Da der PTF **vor der Konstruktion** erstellt wird, können:

* **Prozessabläufe noch verändert** werden, bevor sie teuer umgesetzt sind,
* **Nicht-Selmo-konforme Technologien erkannt** und **angepasst** werden,
* **Funktionen standardisiert** und wiederverwendbar gestaltet werden,
* **Kosten und Komplexitäten** reduziert werden,
* und **Risiken proaktiv bewertet** statt reaktiv behandelt werden.

→ Damit wird der PTF zum **strategischen Filter**:\
Nur was methodisch, normativ und technisch konsistent ist, darf in die Umsetzung.

***

### **6. PTF als formale Beschreibungssprache des digitalen Engineerings**

Mit der Selmo-Methode gilt:\
**Wie die Zeichnung die Mechanik beschreibt, beschreibt der PTF den Code.**

| Disziplin                 | Formale Sprache               | Nachweis                             | Ziel                    |
| ------------------------- | ----------------------------- | ------------------------------------ | ----------------------- |
| **Mechanik**              | CAD / technische Zeichnung    | Stückliste, Maße, Toleranzen         | Form und Funktion       |
| **Elektro**               | Schaltplan / E-Plan           | Verdrahtung, Stromlauf, Schutzkreise | Energie und Signalfluss |
| **Automation / Software** | **Selmo-PTF / Prozessmodell** | Prozess, Logik, Überwachung          | Verhalten und Steuerung |

→ Alle drei Disziplinen sind **gleichwertig**, folgen denselben Grundprinzipien:

* Dokumentation
* Nachvollziehbarkeit
* Prüfbarkeit
* formale Korrektheit

Damit erfüllt Selmo die Forderungen der **MVO 2027** und anderer Vorschriften nach\
\&#xNAN;**„vollständiger Dokumentation, formaler Prüfbarkeit und deterministischem Verhalten“.**

***

### **7. Umgang mit Abweichungen und Risiken**

Während des PTF:

* **Nicht-konforme Anforderungen oder Technologien** werden **nicht verworfen**, sondern **transparent dokumentiert und bewertet**.
* Jede Abweichung erhält:
  * eine **Risikoeinstufung** (kritisch / moderat / akzeptabel)
  * einen **Verantwortlichen**
  * einen **geplanten Maßnahmenpfad**

→ So entsteht eine **kontrollierte Risikolandschaft**, die aktiv gemanagt werden kann.\
→ Änderungen im PTF sind nachvollziehbar und prüfbar – kein „Stille-Post-Wissen“ im Projekt.

***

### **8. Nutzen der frühen Integration**

| Dimension                | Nutzen                                                                       |
| ------------------------ | ---------------------------------------------------------------------------- |
| **Technisch**            | Frühzeitige Erkennung von Konflikten zwischen Mechanik, Elektro und Software |
| **Organisatorisch**      | Einheitliche Sprache, klare Verantwortlichkeiten                             |
| **Wirtschaftlich**       | Geringere Änderungs- und Inbetriebnahmekosten                                |
| **Qualitativ**           | Höhere Stabilität, geringere Ausfallrisiken                                  |
| **Rechtlich / Normativ** | Nachweisbare Konformität (MVO 2027, CE, ISO 12100 etc.)                      |
|                          |                                                                              |

Der PTF-Prozess dient dazu:

* Das Problem des Kunden exakt zu verstehen,
* Den Prozess vollständig zu beschreiben,
* Die verwendeten Technologien auf Selmo-Konformität zu prüfen,
* Die Funktionen dokumentiert und prüfbar zu definieren,
* Risiken, Abweichungen und Normanforderungen frühzeitig zu erkennen.

→ Ergebnis: Ein vollständiges, prüfbares Maschinenmodell – als Grundlage für Mechanik, Elektro und Software.

### **9. Fazit**

> Der **Selmo-PTF** ist der neue Startpunkt jedes Projekts.\
> Er ersetzt unvollständige Lastenhefte durch eine **formale, prüfbare und deterministische Beschreibung**.
>
> Noch bevor Mechanik gezeichnet oder Schaltpläne erstellt werden,\
> ist klar, **was die Maschine tun soll, womit sie es tut und wie sie sich verhält.**
>
> Damit wird der PTF zum **Engineering-Standard** –\
> zur **digitalen Zeichnung des Maschinenverhaltens**,\
> normkonform, nachvollziehbar und risikobewusst.


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