Beispiel: PTF für Starttaste und Zylinder

Dieses Beispiel zeigt, wie die Selmo-Methode (PTF) angewendet wird, bevor ein Ablauf modelliert oder programmiert wird.

Das Beispiel ist bewusst einfach:

  • eine Starttaste

  • ein Zylinder mit zwei Endlagen

Ziel ist nicht die Modellierung, sondern das strukturierte Denken vor dem Modell.


P – Prozess

Fachlicher Prozess

Aus fachlicher Sicht soll Folgendes passieren:

  1. Der Bediener betätigt die Starttaste

  2. Der Zylinder fährt aus

  3. Der Zylinder erreicht seine vordere Endlage

  4. Der Vorgang ist abgeschlossen

Der Prozess beschreibt:

  • was passiert

  • in welcher Reihenfolge

  • ohne technische Details

Er beschreibt nicht:

  • wie der Zylinder angesteuert wird

  • welche Sensoren verwendet werden

  • wie lange die Bewegung dauert

Prozess = fachlicher Ablauf, unabhängig von Technik.


Prozessgrenzen

Zum Prozess gehört:

  • Startanforderung durch Bediener

  • Bewegung des Zylinders

  • Erreichen der Zielposition

Nicht zum Prozess gehört:

  • Energieversorgung

  • Not-Halt

  • mechanische Auslegung

  • Wartung


T – Technologie

Eingesetzte Technologie

Für den Prozess wird folgende Technologie eingesetzt:

  • ein pneumatischer Zylinder

  • ein Magnetventil zur Ansteuerung

  • zwei Endlagensensoren:

    • eingefahren

    • ausgefahren

  • eine elektrische Starttaste


Technologische Eigenschaften und Randbedingungen

Aus der Technologie ergeben sich folgende Fakten:

  • der Zylinder kann nicht gleichzeitig eingefahren und ausgefahren sein

  • der Zylinder benötigt Energie (Druckluft)

  • die Bewegung ist nicht instantan

  • die Endlagensensoren liefern binäre Signale

  • die Starttaste ist ein kurzzeitiges Signal

Diese Eigenschaften sind nicht verhandelbar, sondern physikalisch gegeben.

Technologie beschreibt, was physikalisch möglich ist.


Technologische Risiken

  • Ventil defekt → Zylinder bewegt sich nicht

  • Sensor defekt → Endlage wird falsch gemeldet

  • Druckluft fehlt → Bewegung bleibt aus

Diese Risiken müssen später überwacht werden, werden aber hier noch nicht modelliert.


F – Funktion

Abgeleitete Funktionen

Aus Prozess und Technologie lassen sich folgende Funktionen formulieren:

  1. Startanforderung erfassen Die Bewegung darf nur nach einer bewussten Startanforderung erfolgen.

  2. Zylinder ausfahren Nach gültiger Startanforderung soll der Zylinder ausfahren.

  3. Endlage überwachen Die Bewegung gilt erst als abgeschlossen, wenn die vordere Endlage erreicht ist.

  4. Unmögliche Zustände erkennen Die beiden Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.


Funktionen als überprüfbare Aussagen

Wichtig: Funktionen sind keine Zustände und keine Implementierung.

Beispiele korrekt formulierter Funktionen:

  • „Der Zylinder darf nur ausfahren, wenn eine Startanforderung vorliegt.“

  • „Der Zylinder gilt als ausgefahren, wenn die vordere Endlage aktiv ist.“

  • „Beide Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.“

Diese Aussagen sind:

  • überprüfbar

  • eindeutig

  • technologisch begründet


Ergebnis des PTF

Nach Abschluss des PTF ist klar:

  • welcher Ablauf modelliert werden soll

  • welche Technik beteiligt ist

  • welche Funktionen zwingend notwendig sind

Damit ist die Voraussetzung geschaffen für:

  • sinnvolle Zustände

  • klare Sequences

  • korrekte Zonen

  • saubere Überwachung

Die Modellierung beginnt erst jetzt.


Übergang zum Selmo-Modell

Erst auf Basis dieses PTF werden definiert:

  • Zustände (z. B. „Warten auf Start“, „Zylinder fährt“, „Zylinder ausgefahren“)

  • Zonen (Starttaste, Zylinder)

  • Überwachung (Endlage, Pair-Check)

  • Ablauf und Verhalten

PTF entscheidet, was modelliert wird. Selmo entscheidet, wie es formal beschrieben wird.

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