Beispiel: PTF für Starttaste und Zylinder
Dieses Beispiel zeigt, wie die Selmo-Methode (PTF) angewendet wird, bevor ein Ablauf modelliert oder programmiert wird.
Das Beispiel ist bewusst einfach:
eine Starttaste
ein Zylinder mit zwei Endlagen
Ziel ist nicht die Modellierung, sondern das strukturierte Denken vor dem Modell.
P – Prozess
Fachlicher Prozess
Aus fachlicher Sicht soll Folgendes passieren:
Der Bediener betätigt die Starttaste
Der Zylinder fährt aus
Der Zylinder erreicht seine vordere Endlage
Der Vorgang ist abgeschlossen
Der Prozess beschreibt:
was passiert
in welcher Reihenfolge
ohne technische Details
Er beschreibt nicht:
wie der Zylinder angesteuert wird
welche Sensoren verwendet werden
wie lange die Bewegung dauert
Prozess = fachlicher Ablauf, unabhängig von Technik.
Prozessgrenzen
Zum Prozess gehört:
Startanforderung durch Bediener
Bewegung des Zylinders
Erreichen der Zielposition
Nicht zum Prozess gehört:
Energieversorgung
Not-Halt
mechanische Auslegung
Wartung
T – Technologie
Eingesetzte Technologie
Für den Prozess wird folgende Technologie eingesetzt:
ein pneumatischer Zylinder
ein Magnetventil zur Ansteuerung
zwei Endlagensensoren:
eingefahren
ausgefahren
eine elektrische Starttaste
Technologische Eigenschaften und Randbedingungen
Aus der Technologie ergeben sich folgende Fakten:
der Zylinder kann nicht gleichzeitig eingefahren und ausgefahren sein
der Zylinder benötigt Energie (Druckluft)
die Bewegung ist nicht instantan
die Endlagensensoren liefern binäre Signale
die Starttaste ist ein kurzzeitiges Signal
Diese Eigenschaften sind nicht verhandelbar, sondern physikalisch gegeben.
Technologie beschreibt, was physikalisch möglich ist.
Technologische Risiken
Ventil defekt → Zylinder bewegt sich nicht
Sensor defekt → Endlage wird falsch gemeldet
Druckluft fehlt → Bewegung bleibt aus
Diese Risiken müssen später überwacht werden, werden aber hier noch nicht modelliert.
F – Funktion
Abgeleitete Funktionen
Aus Prozess und Technologie lassen sich folgende Funktionen formulieren:
Startanforderung erfassen Die Bewegung darf nur nach einer bewussten Startanforderung erfolgen.
Zylinder ausfahren Nach gültiger Startanforderung soll der Zylinder ausfahren.
Endlage überwachen Die Bewegung gilt erst als abgeschlossen, wenn die vordere Endlage erreicht ist.
Unmögliche Zustände erkennen Die beiden Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.
Funktionen als überprüfbare Aussagen
Wichtig: Funktionen sind keine Zustände und keine Implementierung.
Beispiele korrekt formulierter Funktionen:
„Der Zylinder darf nur ausfahren, wenn eine Startanforderung vorliegt.“
„Der Zylinder gilt als ausgefahren, wenn die vordere Endlage aktiv ist.“
„Beide Endlagensensoren dürfen nicht gleichzeitig aktiv sein.“
Diese Aussagen sind:
überprüfbar
eindeutig
technologisch begründet
Ergebnis des PTF
Nach Abschluss des PTF ist klar:
welcher Ablauf modelliert werden soll
welche Technik beteiligt ist
welche Funktionen zwingend notwendig sind
Damit ist die Voraussetzung geschaffen für:
sinnvolle Zustände
klare Sequences
korrekte Zonen
saubere Überwachung
Die Modellierung beginnt erst jetzt.
Übergang zum Selmo-Modell
Erst auf Basis dieses PTF werden definiert:
Zustände (z. B. „Warten auf Start“, „Zylinder fährt“, „Zylinder ausgefahren“)
Zonen (Starttaste, Zylinder)
Überwachung (Endlage, Pair-Check)
Ablauf und Verhalten
PTF entscheidet, was modelliert wird. Selmo entscheidet, wie es formal beschrieben wird.
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