pen-fieldVerfahrensanweisung PTF – Prozess, Technologie, Funktion

1. Zweck

Diese Verfahrensanweisung beschreibt die strukturierte Durchführung des PTF-Prozesses zur formalen, nachvollziehbaren und sicheren Definition von Maschinen- und Anlagenverhalten.

Der PTF-Prozess dient dazu:

  • aus Anforderungen und Aufgabenstellungen klar definierte, prüfbare Prozessmodelle zu entwickeln,

  • die technischen Mittel (Technologien, Komponenten, Schnittstellen) festzulegen,

  • und die Funktionen formal zu beschreiben, die das Verhalten umsetzen.

Das Ergebnis des PTF ist eine vollständige, technische Beschreibung eines Systems – logisch, funktional und dokumentiert. Diese bildet die Grundlage für:

  • Konstruktion und Steuerungsentwicklung

  • Simulation und Inbetriebnahme

  • Sicherheits- und Risikoanalyse

  • Dokumentation, Normnachweise und Abnahmen (FAT/SAT)


2. Geltungsbereich

Diese VA gilt für alle Projekte und Systeme, bei denen:

  • Maschinen- oder Anlagenverhalten spezifiziert wird,

  • eine Automatisierung, Steuerung oder Programmierung erforderlich ist,

  • und eine formale Dokumentation und Nachvollziehbarkeit gefordert ist.

Sie ist anzuwenden für:

  • Maschinen, Teilanlagen, Stationen, Module

  • Neuanlagen, Umbauten und Funktionsänderungen


3. Zielsetzung des PTF-Prozesses

Der PTF-Prozess stellt sicher, dass:

  1. Prozesse (P) verstanden, beschrieben und formalisiert sind,

  2. Technologien (T) eindeutig spezifiziert, sicher und normkonform sind,

  3. Funktionen (F) nachvollziehbar beschrieben, wiederverwendbar und prüfbar sind,

  4. Abhängigkeiten zwischen P–T–F dokumentiert und freigegeben sind,

  5. die gesamte Anlagendefinition konsistent, sicher und auditierbar ist.


4. Begriffe (Kernbegriffe des PTF)

Begriff
Beschreibung

Prozess (P)

Beschreibt was passiert – den logischen Ablauf, das Verhalten und die Zustände.

Technologie (T)

Beschreibt womit es passiert – die technischen Mittel, Schnittstellen und Sicherheitsmerkmale.

Funktion (F)

Beschreibt wie es umgesetzt wird – die logische oder physikalische Wirkung der Technologie im Ablauf.

PTF-Dokumentation

Sammlung aller Dokumente (P-, T-, F-Blätter, Matrizen, Diagramme, Prüfprotokolle).

PTF-Freigabe

Offizielle Bestätigung der Vollständigkeit und Korrektheit durch Fachverantwortliche.


5. Rollen und Verantwortlichkeiten

Rolle
Aufgaben

Projektleiter

Initiierung des PTF, Koordination aller Disziplinen, Freigabe der Ergebnisse

Prozessplaner / Verfahrenstechniker

Beschreibung des Prozessablaufs, Produkt- und Verfahrensanalyse

Automation Engineer

Definition der Funktionslogik, Steuerungsabläufe, Schnittstellen

Safety Engineer

Bewertung von Risiken, Sicherheitsfunktionen, PLr/SIL

Konstruktion / Mechanik / E-Technik

Bereitstellung von technischen Daten, Zonen, Komponentenlisten

Qualitätsmanagement / Dokumentation

Archivierung, Versionsführung, Freigabeverwaltung


6. Ablaufbeschreibung des PTF-Prozesses

Übersicht


7. Prozessschritte im Detail


7.1 Prozessbeschreibung (P)

Ziel: Den Prozess vollständig verstehen und formal beschreiben.

Inhalte:

  • Produkt, Verfahren, Bediener, logischer Ablauf

  • Prozessflussdiagramm, SIPOC, Zustände und Übergänge

  • Reaktionen, Abweichungen, Sicherheitsverhalten

Werkzeuge / Methoden:

  • SIPOC-Diagramm

  • Prozessflussdiagramm (Miro, Draw.io, Visio)

  • Zustandsbeschreibung (Excel/Word-Template)

  • Risikoanalyse nach ISO 12100

Ergebnisse:

  • Prozessbeschreibung (P-Dokument)

  • Prozessmatrix (Zustände, Übergänge, Signale)

  • Risiko- und Funktionsanalyse-Vorlage

Freigabekriterium: Prozessfluss eindeutig, alle Zustände beschrieben, Risiken bewertet.


7.2 Technologieanalyse (T)

Ziel: Die technischen Mittel festlegen, mit denen der Prozess realisiert wird.

Inhalte:

  • Identifikation der eingesetzten Technologien

  • Komponenten, Schnittstellen, Sicherheitsfunktionen

  • Parameter, Grenzwerte, Diagnosen

  • Normen, Vorschriften, technische Freigaben

Werkzeuge / Methoden:

  • Technologie-Datenblatt (T-Template)

  • Technologie-Matrix (T-Matrix)

  • Schnittstellenbeschreibung

  • Applicable Standards Page (Normenliste)

Ergebnisse:

  • T-Datenblätter pro Technologie

  • T-Matrix (Übersicht aller Technologien)

  • Schnittstellen- und Sicherheitsdokumentation

Freigabekriterium: Alle Technologien spezifiziert, Schnittstellen geprüft, Normenkonformität sichergestellt.


7.3 Funktionsbeschreibung (F)

Ziel: Logische und physikalische Funktionen formal definieren und dokumentieren.

Inhalte:

  • Beschreibung der Funktion (Ziel, Wirkung, Verhalten)

  • Eingänge, Ausgänge, Parameter, Grenzwerte

  • Sicherheits- und Diagnosefunktionen

  • Prüfkriterien und Testfälle

  • Zuordnung zu Prozess und Technologie

Werkzeuge / Methoden:

  • F-Datenblatt (Funktionsbeschreibung)

  • F-Matrix (Verknüpfung P–T–F)

  • F-Testplan

Ergebnisse:

  • Funktionsdatenblätter

  • Funktionsliste / Bibliothek

  • Prüf- und Testprotokolle

Freigabekriterium: Jede Funktion eindeutig, geprüft, versioniert, auf P–T rückführbar.


7.4 PTF-Prüfung und Freigabe

Ziel: Sicherstellen, dass alle Elemente konsistent, vollständig und korrekt beschrieben sind.

Prüfpunkte:

  • Prozess-Logik vollständig und widerspruchsfrei

  • Technologien normgerecht und sicherheitstechnisch freigegeben

  • Funktionen vollständig und prüfbar

  • P–T–F-Verknüpfung konsistent

Werkzeuge / Methoden:

  • PTF-Review-Checkliste

  • Abweichungsprotokoll

  • Änderungsmanagement (Change Control)

Ergebnisse:

  • Freigabeprotokoll

  • Änderungsbericht

  • PTF-Release (Versionierung)


7.5 Übergabe an Engineering / Modellierung

Nach der PTF-Freigabe erfolgt:

  • Übertragung der definierten Inhalte in Engineering-Tools (z. B. CAD, SPS, HMI, Simulation)

  • Nutzung der PTF-Daten als Eingabe für:

    • Automatisierung und Steuerung (PLCopen XML, Funktionsbausteine)

    • Risikoanalyse / Validierung

    • Dokumentation / CE-Prozess


8. Dokumente und Vorlagen

Dokument
Zweck
Format

PTF-Verfahrensanweisung (dieses Dokument)

Prozessbeschreibung und Ablauf

PDF / DOCX

P-Datenblatt / P-Matrix

Prozessbeschreibung

XLSX / DOCX

T-Datenblatt / T-Matrix

Technologieanalyse

XLSX / DOCX

F-Datenblatt / F-Matrix

Funktionsbeschreibung

XLSX / DOCX

Applicable Standards Page

Normenübersicht

XLSX

PTF-Checkliste / Review-Protokoll

Freigabeverfahren

DOCX

PTF-Freigabeprotokoll

Unterschriftenblatt

PDF


9. Werkzeuge und Systeme

  • Tabellen & Vorlagen (Excel, Word, Visio, Miro, Draw.io)

  • Versionsverwaltung (SharePoint, PLM, Git, Engineering-Server)

  • Engineering-Tools (z. B. EPLAN, Codesys, TIA, AutomationML)

  • Risikoanalyse-Tools (ISO 12100-Templates, Excel)

  • PTF-Datenbank oder Selmo Studio (modellbasierte Integration)


10. Change- und Freigabeverfahren

Freigabestufen:

Stufe
Beschreibung
Verantwortlich

P-Freigabe

Prozessfluss und Verhalten

Prozessplanung

T-Freigabe

Technologie und Normenkonformität

Automation / Safety

F-Freigabe

Funktionslogik und Tests

Steuerung / QS

PTF-Gesamtfreigabe

Vollständigkeit, Version, Übergabe

Projektleitung

Change-Klassen:

  • A: Neue Funktion / Technologie / sicherheitsrelevante Änderung → Review-Pflicht

  • B: Parameter- oder Detailänderung → dokumentationspflichtig

  • C: redaktionell / Textkorrektur → Versionsupdate


11. Ergebnisse des PTF-Prozesses

Ergebnis
Bedeutung

Vollständiges PTF-Paket

Alle P-, T-, F-Dokumente vollständig, freigegeben, versioniert

Prozessbeschreibung (P)

formales Prozessmodell / Ablaufbeschreibung

Technologieanalyse (T)

definierte technische Mittel, Schnittstellen, Normen

Funktionsbeschreibung (F)

definierte logische Funktionen und Prüfbedingungen

PTF-Matrix

Gesamtüberblick der Zuordnungen P–T–F

Freigabeprotokoll

Dokumentierte Abnahme / Unterschriften

Änderungsdokumentation

Rückverfolgbarkeit jeder Änderung


12. Nutzen und Zielerreichung

Durch Anwendung der PTF-Verfahrensanweisung entstehen:

Strukturierte, prüfbare ProjektgrundlagenSichere, nachvollziehbare Prozess- und FunktionsdefinitionenStandardisierte technische Dokumentation (auditierbar)Effiziente Zusammenarbeit zwischen DisziplinenGrundlage für Codegenerierung, Simulation, ValidierungNachweis der systematischen Risikominimierung gemäß ISO 12100


13. Freigabe & Versionskontrolle

Version
Datum
Änderung
Verantwortlich
Freigegeben durch

1.0

TT.MM.JJJJ

Erstversion

Engineering

Projektleitung

...

...

...

...

...

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