Formale Definition: Selmo-Automat

Wir definieren den Selmo-Automaten als ein 8-Tupel:

S=(Z,Σ,Γ,δ,λ,z0,B,M)

🔹 1. Z – Zustandsmenge

Die endliche Menge aller modellierten Zustände einer Selmo-Sequence (z. B. Init, Einlegen, Spannen, …)


🔹 2. Σ – Eingabealphabet

Die Menge aller relevanten Eingaben (Sensoren, Taster, Rückmeldesignale)


🔹 3. Γ – Ausgabealphabet

Die Menge aller möglichen Ausgangssignale (Ventile, Motoren, LEDs, etc.)


🔹 4. δ – Übergangsfunktion

δ:Z×Σ×M→Z

→ Der nächste Zustand wird bestimmt durch:

  • den aktuellen Zustand

  • die aktuellen Eingaben

  • den Speicherzustand (Mem-Zonen)

Die Transition ist nur zulässig, wenn:

  • alle S-Zonen erfüllt sind

  • kein I (Interlock) verletzt ist

  • CMZ (optional) keinen Fehler meldet


🔹 5. λ – Ausgabefunktion

λ:Z→Γ∗

→ Alle Ausgänge einer Zone werden bei Eintritt in einen Zustand gesetzt, wenn die Zone in der Bit-Control mit S versehen ist und einen Ausgang besitzt.

Dies entspricht der Moore-Logik: → Outputs hängen nur vom aktuellen Zustand ab, nicht vom Übergang.


🔹 6. z0 ∈ Z – Startzustand

Der initiale Zustand der Sequenz nach Freigabe


🔹 7. B : Z×X→{0,S,I, M} – Bit-Control-Matrix

Eine Kreuztabelle, die angibt:

  • für jeden Zustand z∈Zz

  • und jede Zone x ∈ X

→ welches Verhalten gilt:

  • 0 = don't care

  • S = erwartete Aktion (Steuerung oder Überwachung)

  • I = Interlock (Sicherheitsüberwachung)

  • M = Monitoring (Dokumentation der Abweichung ohne Reaktion)


🔹 8. M – Menge und Zustand aller Mem-Zonen

M={m1,m2,...,mk}, mi∈{0,1}

→ Jede Mem-Zone ist ein binärer Speicher, der durch S im Zustand gesetzt oder gelöscht wird. → Wird in der Übergangslogik (δ) verwendet, um Bedingungen zu speichern oder Entscheidungen zu ermöglichen.


🧩 Weitere logische Strukturen im Selmo-Automaten

🔸 Zonensystem X:

Zonen sind typisiert:

  • Input-Zonen: liefern Zustände aus Sensoren

  • Output-Zonen: aktivieren Aktoren

  • In-Out-Zonen: Aktor + Sensor (mit Feedback)

  • Mem-Zonen: reine logische Speicher

  • Jede Zone ist einer oder mehreren Zuständen per Bit-Control zugeordnet


🔸 Interlock (I):

  • Sobald eine Zone im Zustand mit i verknüpft ist, wird der aktuelle Signalzustand mit dem Sollwert verglichen.

  • Bei Abweichung:

    • Sequenzstopp

    • Automatik-Release deaktiviert

    • rote Fehlermeldung im HMI


🔸 Monitoring (M):

  • Sobald eine Zone im Zustand mit M verknüpft ist, wird der aktuelle Signalzustand mit dem Sollwert verglichen.

  • Bei Abweichung:

    • → Dokumentation

    • Automatik-Release bleibt erhalten

    • kein Fehlermeldung im HMI, aber dokumentiert in Historie


🔸 Sequence-Check (S):

  • Steuert Aktoren (bei Output/In-Out)

  • Erwartet Eingaben (bei Input/In-Out)

  • Zustand wird erst verlassen, wenn alle S-Zonen erfüllt sind

  • blaue HMI-Markierung zeigt aktive Erwartung


🔸 Speicherfunktion (Mem):

  • Zustand setzt eine Mem-Zone → m=1

  • Späterer Zustand setzt dieselbe Mem-Zone wieder zurück → m=0

  • Der aktuelle Wert m kann Überwachung und Übergangsbedingung für δ sein


🔸 Erweiterbar um:

  • CMZ (Constantly Monitoring Zones) → zustandsunabhängige Überwachung auf drei Ebenen (Sequence, HW-Zone, Plant)

  • MXIC (Manual Cross Interlock) → Freigabebedingungen für Handtasten (z. B. HMI-Steuerung mit Sicherheitslogik)

  • Parameter-Layer → modellierte Variablen wie Zeiten, Wiederholzahlen, Schwellenwerte


🏁 Fazit

Der Selmo-Automat ist ein vollständig formalisierter erweiterter Moore-Automat mit:

Eigenschaft
Ja / Nein

Deterministische Zustände

Zustandsgesteuerte Ausgänge

Signalüberwachung pro Zustand

Logik für erlaubte Übergänge

Automatische Fehlererkennung

Interlock (Sicherheitsüberwachung)

Speicherfunktionen (Mem-Zonen)

Bedienerführung im HMI

Erweiterte Diagnosefunktion

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