Normkonforme Systembeschreibung -SDEA
📄 Normkonforme Systembeschreibung: Selmo-Automat (erweiterter deterministischer Zustandsautomat)
1. Grundmodell
Das Steuerungssystem basiert auf einem erweiterten deterministischen endlichen Automaten (DEA) nach dem Prinzip eines Moore-Automaten. Das bedeutet:
Die Steuerung ist zustandsbasiert.
Alle Ausgänge werden ausschließlich durch den aktiven Zustand definiert.
Zustandsübergänge erfolgen deterministisch, also eindeutig und vollständig nachvollziehbar.
Jeder Zustand beschreibt einen logisch abgeschlossenen Schritt im Maschinenverhalten.
2. Funktionale Bestandteile des Automaten
Der Automat ist definiert durch das 8-Tupel:
S=(Z,Σ,Γ,δ,λ,z0,B,M)
Z
Endliche Menge modellierter Zustände
Σ
Eingabemenge aus Sensoren, Tastern, Feedback-Signalen
Γ
Ausgabemenge an Aktoren (z. B. Ventile, Motoren)
δ
Zustandsübergangsfunktion unter Berücksichtigung von Eingaben und Speicher
λ
Zustandsausgabefunktion nach Moore
z0
Startzustand
B
Bit-Control-Matrix mit Signalverhalten pro Zustand und Zone
M
Menge der Mem-Zonen (interner Zustandsspeicher)
3. Bit-Control-Matrix (System-Layer)
Die Bit-Control-Matrix legt das Verhalten jeder Zone im jeweiligen Zustand fest:
0: Keine Anforderung („Don’t care“)S: Sequence Check → erwartete Aktion oder ReaktionI: Interlock → sicherheitsrelevante Überwachungsanforderung mit StopM: Monitoring → sicherheitsrelevante Überwachungsanforderung mit Dokumentation
Ein Übergang in den Folgezustand ist nur zulässig, wenn:
alle
S-Zonen erfüllt sindkeine
I-Zone eine Abweichung meldetkeine Fehler in übergeordneten Constantly Monitoring Zones (CMZ) bestehen
4. Zonenstruktur
Jede Zone wird eindeutig typisiert:
Input-Zone: Überwachung Input Signale
Output-Zone: Ansteuerung von Outputs = Aktoren ohne Feedback
In-Out-Zone: Kombination von Steuerung und Rückmeldung
Mem-Zone: Zustandsinterner Speicher zur Steuerung abhängiger Abläufe
Die Zonen sind über eine systematische Matrix (Bit-Control) mit den Zuständen verbunden. So entsteht ein vollständiges Verhaltensmodell der Maschine.
5. Speicherfunktion (Mem-Zonen)
Mem-Zonen dienen als interne Gedächtnisfunktion:
Sie werden explizit in einem Zustand mit
Sgesetzt oder zurückgesetzt.Sie können in Übergangsbedingungen und Logikpfaden verwendet werden.
Ihr Status ist deterministisch im Ablaufmodell enthalten.
Dienen für ein synchrone Ablaufsteuerung zu erfolgten Ablauf bzw. Verhindert falschen Zustand
6. Fehlererkennung und Zustandsüberwachung
Das System erkennt abweichende Signalzustände automatisch:
I-Zonen überwachen sicherheitsrelevante Signale → führen bei Abweichung zum Automatik-Stop mit FehlerdiagnoseS-Zonen zeigen Bedienerführungen im HMI an → Zustand wartet aktiv, bis alle Bedingungen erfüllt sindFehlermeldungen werden automatisch generiert, lokalisiert und im HMI angezeigt
7. Erweiterte Sicherheitsfunktionen (Standard-Selmo)
Zusätzlich zur Basislogik sind im Modell folgende Standardfunktionen integriert:
CMZ (Constantly Monitoring Zone): dauerhafte Signalüberwachung, unabhängig vom Zustand
MXIC (Manual Cross Interlock): sichere Freigabebedingungen für manuelle Bewegungen im Handbetrieb
Parameter-Layer: modellierte, parametrierbare Werte (z. B. Zeiten, Zählungen, Schwellen)
8. Normative Einordnung
Die deterministische, formalisierte Struktur des Selmo-Automaten unterstützt eine nachvollziehbare und risikominimierte Maschinensteuerung entsprechend:
EN ISO 13849-1 (Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen)
Funktionsüberwachung (z. B. Interlock, CMZ)
Fehlererkennung und definierte Reaktionen
IEC 61508 / IEC 62061 (Funktionale Sicherheit)
Zustandsmodellierung für sichere Steuerungsabläufe
Determinismus, Prüfbarkeit und Validierbarkeit
IEC 61131-3 (Programmiernorm)
Trennung von Steuerung (Zustand) und Überwachung (Bit-Control)
Maschinenverordnung (EU) / CE-Konformität:
Nachvollziehbares, prüfbares Steuerungsverhalten
Automatisch erzeugbare Dokumentation durch formale Modellierung
9. Vorteil der Formalisierung
Die vollständige formale Definition ermöglicht:
Automatische Codegenerierung
Automatische Validierung und Simulation
Vollständige technische Dokumentation
Reduzierung menschlicher Programmierfehler
Erhöhte Nachvollziehbarkeit im Sinne der Produkthaftung
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