1.1 Vom Ablaufcode zum Maschinenverhalten

In der klassischen SPS-Programmierung denkt man in Befehlen: Wenn ein Signal anliegt, wird eine Zeile Code ausgeführt; wenn eine Bedingung wahr ist, wird ein Ausgang gesetzt. Dieses Vorgehen hat jahrzehntelang funktioniert, es hat jedoch zwei zentrale Schwächen:

  1. Das Verhalten der Maschine ist nur indirekt erkennbar. Der Programmcode beschreibt, was geschaltet wird, aber nicht, warum. Selbst Fachleute brauchen oft Stunden oder Tage, um aus tausenden Codezeilen zu rekonstruieren, wie eine Maschine tatsächlich arbeitet.

  2. Der Ablauf ist nicht formal beschrieben. Eine klassische SPS kann viele Zweige, Unterprogramme und Nebenbedingungen gleichzeitig ausführen. Dadurch entstehen unvorhersehbare Zustände, Race-Conditions und schwer reproduzierbare Fehler.

Selmo geht einen anderen Weg: Statt Befehle auszuführen, beschreibt es Verhalten. Nicht mehr „wenn Eingang X, dann Ausgang Y“, sondern „die Maschine befindet sich im Zustand Z, und in diesem Zustand gelten folgende Regeln“.

Damit wechselt die Denkrichtung: Vom Programmieren (Anweisungen schreiben) zum Modellieren (Verhalten beschreiben).

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